■ Propagandakrieg: Deutschlands Medien „wie Goebbels“
„Die Verlogenheit der freien Presse in Deutschland“ – so klingt der Titel einer Sendung des serbischen Staatsfernsehens vom Wochenanfang. Tenor: „Propagandisten vom Schlage Himmler und Goebbels“ seien hierzulande bei Berichten über den Kosovo am Werke. Seit einem angeblichen Fund von Leichen entführter Serben, die von der kosovo-albanischen Befreiungsbewegung UCK erschossen und verbrannt worden sein sollen, führen die serbischen Medien einen Propagandakrieg gegen deutsche Journalisten. Sonntag begannen Radio und TV in unzähligen Sendungen zu behaupten: Jene „Medienexperten“, die den Serben in den vergangenen Monaten grausame Massaker an albanischen Zivilisten im Kosovo unterstellten, schwiegen nun, als das „erste Krematorium seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa“ bekannt wurde.
Nach Darstellung einiger Belgrader Zeitungen haben fanatische Albaner vor etwa zehn Tagen serbische Frauen und Kinder lebendig verbrannt und den heiligen Krieg gegen das Serbentum beschworen. Jene Verbrecher, die dieses „faschistische Verbrechen“ begangen hätten, seien in Deutschland „ausgebildet worden“. Derlei schreiben nicht nur regimetreue Zeitungen wie Vecernje Novosti oder Politika, sondern auch unabhängige Boulevardzeitungen wie Blic und Dnevni Telegraf.
Die heftigsten Angriffe kommen vom unabhängigen Belgrader Fernsehsender Studio-B, der seine Existenz maßgeblich westlicher Solidarität verdankt. Als Arbeiter und Studenten im vorletzten Winter gegen das Regime von Präsident Slobodan Milošević protestierten, war Studio-B das Sprachrohr der Opposition – Milošević unternahm mehrere Versuche, den Sender mundtot zu bekommen. Westliche Regierungen, auch die deutsche, protestierten, europäische TV-Anstalten griffen den mutigen Fernsehmachern mit Know-how und Geld unter die Arme. Dazu heißt es heute von Studio-B: „Das war heimtückische Unterstützung, unter dem Vorwand, uns zu helfen, wollten die Mächtigen in Bonn, Brüssel und Washington unser Land destabilisieren.“Karl Gersuny
40.000 mal Danke!
40.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Was uns besonders macht? Sie, unsere Leser*innen. Sie wissen: Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Wir suchen auch weiterhin Unterstützung: suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus – schon mit 5 Euro im Monat! Jetzt unterstützen