Prognose für 2009: US-Finanzkrise kostet Wachstum

1,2 Prozent mehr Wirtschaftsleistung in Deutschland im kommenden Jahr? Das schaffen wir nicht mehr, räumen Bundesregierung und Unternehmer nun ein.

Stillstand statt Aufschwung - Finanzkrise sei Dank. Bild: dpa

BERLIN dpa Die Finanzkrise in den USA wird auch die deutsche Wirtschaft nach Ansicht von Bundesregierung und Arbeitgebern belasten. Die bisherige Prognose von 1,2 Prozent Wirtschaftswachstum 2009 sei nicht zu halten, erklärten Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Wochenende. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rechnet damit, dass es im kommenden Jahr wegen der Konjunkturlage keine weitere Zunahme der Beschäftigung geben wird. Stellenstreichungen und Lohnsenkungen befürchtet der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer.

Steinbrück sagte, 2009 dürfte "deutlich schlechter werden als die bisher geschätzten 1,2 Prozent Wachstum". Für 2008 gebe es keinen Grund, die Prognose von 1,7 Prozent Wachstum zu revidieren, sagte er dem Spiegel. Der US-Patient liege momentan "mit einer Lungenentzündung auf der Intensivstation". Das bedeute, "dass auch wir hier in Europa zumindest eine schwere Erkältung bekommen können". Bundeswirtschaftsminister Glos sagte der Bild-Zeitung: "Wir werden unsere Prognose für das nächste Jahr wohl deutlich nach unten korrigieren müssen."

"Die Gefahr ist riesengroß, dass die Finanzmarktkrise in den USA die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in ihren Strudel zieht", zitierte Bild am Sonntag DGB-Chef Sommer. Zu erwarten seien danach: "Personalentlassungen und Lohndrückerei - zuerst bei Banken und Versicherungen und dann im Zuge des Wirtschaftsabschwungs auch in anderen Branchen." Sommer kündigte Widerstand an. Die Gewerkschaften hielten in den aktuellen Tarifrunden an ihren Lohnforderungen fest.

Hundt sagte der Zeitung: "Die Finanzkrise wird unsere Wirtschaft indirekt durch die Beeinflussung der Weltkonjunktur treffen, an der wir als exportorientierte Nation entscheidend hängen." Eine echte Rezession erwarte er zwar nicht. "Aber die Wirtschaft wird mit hoher Wahrscheinlichkeit 2009 langsamer wachsen als in den letzten Jahren. Der Beschäftigungsaufbau wird deshalb voraussichtlich nicht weitergehen."

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im kommenden Jahr noch nicht wieder zunimmt. Selbst wenn die Wirtschaft 2009 nur noch um 0,5 Prozent statt der von der Bundesregierung bislang unterstellten Rate von 1,2 Prozent wachse, werde der Arbeitsmarkt allenfalls stagnieren, sagte BA-Chef Frank-Jürgen der Wirtschaftswoche.

Nach einer Ifo-Umfrage für die Zeitschrift rechnen 60 Prozent der Unternehmen mit einer längeren Konjunkturflaute in Deutschland. Dennoch wollen die meisten wegen des erwarteten Fachkräftemangels in den nächsten Jahren die Beschäftigung stabil halten. Der deutsche Maschinenbau rechnet zwar in diesem Jahr noch nicht mit negativen Auswirkungen der Finanzkrise, erwartet 2009 aber ein schwieriges Jahr.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de