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Produktivität im Osten auf DDR-Niveau

■ Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung legt düstere Prognose für die Wirtschaftsentwicklung in beiden Teilen Deutschlands vor/ Deutliche Kritik an der Hochzinspolitik der obersten Währungshüter

Berlin (AP/taz) — Der Produktivitätsunterschied zwischen der ost- und westdeutschen Wirtschaft ist so groß wie früher zwischen der DDR und der Bundesrepublik. Das geht aus dem jüngsten Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Nach den jüngsten DIW-Daten lag die ostdeutsche Produktivität im zweiten Quartal dieses Jahres 36 Prozent unter der westdeutschen — vor der Vereinigung waren es 37 Prozent.

Die Berliner Konjunkturforscher haben auch einen kleinen Lichtblick ausgemacht: Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum sei die Wertschöpfung zum erstenmal seit der deutschen Vereinigung wieder gestiegen, und zwar um vier Prozent. Die Durchschnittseinkommen der ostdeutschen Beschäftigten lagen bei 2.300 Mark, das sind 670 Mark mehr als im Vorjahr. Dennoch sind die Konjunkturaussichten alles andere als rosig: Für das dritte Quartal sagte das DIW unter anderem wegen weiteren Entlassungen in Treuhandbetrieben und Ernteausfällen in der Landwirtschaft eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Situation in den neuen Ländern voraus.

Auch in Westdeutschland sprechen die Daten für eine weiterhin negative Tendenz. Das Bruttosozialprodukt im Westen ist zwischen April und Juli nur um 0,1 Prozent gestiegen. Im nächsten Quartal, so die DIW-Experten, werde es um 0,5 Prozent sinken und damit etwa auf dem Niveau von 1991 liegen. Für die wirtschaftliche Entwicklung in Westdeutschland hätten die Streiks des Frühjahrs so gut wie keine Rolle gespielt, wies das DIW eine immer wieder verbreitete Arbeitgeber- These zurück. Die meisten Produzenten hätten ohnehin ihre Planung rechtzeitig auf die vorhersagbaren Arbeitsniederlegungen abgestimmt.

Die derzeitige Flaute in den Auftragsbüchern der Wirtschaft hält das DIW für außerst bedenklich. „Der Rückgang der Kapazitätsauslastung bei der Industrie hält bereits seit anderthalb Jahren mit nahezu unverändertem Tempo an“, warnen die Ökonomen. Die Bereitschaft westdeutscher Investoren, sich in den neuen Ländern zu engagieren, dürfte dadurch weiter abnehmen. Das DIW prognostiziert außerdem einen weiteren Rückgang der deutschen Exporte. Hier wirkt sich neben der weltweit gebremsten Nachfrage die abnehmende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft negativ aus: „Hohe Lohnstückkostensteigerungen und der hohe reale Wechselkurs erschweren eine flexible Preisgestaltung.“ Die Exporte werden in den nächsten Monaten auch deshalb weiter sinken, weil das hohe Zinsniveau die Kredite so teuer mache. „Der konjunkturelle Impuls, der von einem Rückgang der Zinsen erwartet wurde“, kritisieren die DIW-Forscher die Frankfurter Währungshüter, „ist nach den jüngsten restriktiven Beschlüssen der Bundesbank in weitere Ferne gerückt.“

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