Probleme mit dem Cloud Computing: Wolkenbruch bei Amazon

Zahlreiche Netzfirmen nutzen das Rechenzentrum von Amazon, um ihre Daten auszulagern. Ein tagelanger Ausfall über Ostern sorgte für Ärger. Die Angebote waren nicht erreichbar.

Immer mehr Unternehmer nutzen das Cloud Computing - trotz der Unsicherheiten. Bild: Saimen. / photocase.com

Für die Nutzer populärer Web-Dienste wie //a:Foursquare, Reddit oder Quora dürfte Ostern wenig vergnüglich gewesen sein. All diese Angebote waren seit Gründonnerstag tagelang ganz oder teilweise nicht zu erreichen. Der Grund: Amazon, eigentlich für seinen gigantischen Online-Shop bekannt, hatte große Probleme mit einem seiner anderen Angebote, einem Service, bei dem viele Internet-Firmen ihre Datendienste unterstellen. Erst am Montag, so jedenfalls laut Amazon, waren die meisten der sogenannten Cloud-Computing-Dienste wieder verfügbar.

Dieses Cloud Computing ist, wenn es funktioniert, eine feine Sache: Statt sich ein teures Rechenzentrum mit enorm vielen Servern auf die grüne Wiese zu stellen, können kleine wie große Internet-Unternehmen einfach auf Zuruf Kapazität einkaufen, die in wenigen Minuten freigeschaltet ist. Abgerechnet wird bequem nach Nutzung, etwa in Gigabytes oder abgerufener Rechenleistung.

Ohne Dienste wie Amazon Web Services (AWS) oder Google App Engine (GAE) hätten heute prominente und früher sehr kleine Start-ups wie Twitter (Kurznachrichten), Tumblr (Blogs) oder Dropbox (Online-Festplatte) niemals so schnell wachsen können. Die Anfangsinvestitionen in die notwendige Hardware-Infrastruktur wären einfach zu groß gewesen.

Neben rein technischen Ausfällen wie dem bei Amazon zeigen sich mittlerweile aber auch andere Nachteile beim Cloud Computing. So behalten sich die Dienste laut Nutzungsbedingungen stets vor, sich ihre Kundschaft auszusuchen. Das bekam beispielsweise die Whistleblower-Plattform Wikileaks zu spüren, als sie durch Enthüllungen von US-Geheimdokumenten weltbekannt wurde. Amazon entschied sich von heute auf morgen, die dort vorgehaltenen Spiegelserver, die Wikileaks bei der Lastverteilung halfen, zu kappen.

Hätte das Angebot nicht Alternativrechner in petto gehabt, es wäre beinah komplett offline gegangen. Amazons lapidarer Kommentar: Wikileaks verfüge nicht über die "notwendigen Rechte" an den Dokumenten, zudem "gefährdeten" die Daten möglicherweise unschuldige Menschen. Das verstoße gegen die AGB. Deswegen habe man den Vertrag gekündigt. "Die Leute müssen woanders operieren."

Amazons harsches Vorgehen sorgte in der Internet-Szene für viel Kritik - und zwar nicht nur aus politischen Gründen. Was Wikileaks passiert war, so wurde diversen Start-up-Firmen klar, könnte ja auch uns passieren. Denn: Breit ausgebaute Cloud-Computing-Systeme lassen sich nicht so einfach auf eine andere Plattform "migrieren". So könnte es einem abgeschalteten AWS-Kunden passieren, dass er noch viele Wochen offline bleibt, während er versucht, mit Amazon den Streit zu schlichten.

Lieber eine eigene Datenfarmen

Hatte die AWS-Wikileaks-Affäre bereits erste Internet-Start-ups zum Überdenken ihrer Cloud-Computing-Strategie gebracht, dürfte der jüngste Vorfall weiter zur Verfestigung einer Bewegung hin zum Aufbau eigener Infrastrukturen führen. Tatsächlich investieren Unternehmen wie Apple oder Facebook dreistellige Millionenbeträge in eigene Rechenzentren, die zunehmend als Erfolgsfaktor gelten. Dort ist es möglich, alles zu kontrollieren - vom verbauten Speicher auf der Server-Hauptplatine bis zur Kühlung oder Stromversorgung der eigenen gigantischen Firmengebäude. Im US-Bundesstaat North Carolina entsteht gerade eine Art "Datenfarm": Gleich mehrere bekannte Namen aus dem Silicon Valley nutzen kostengünstiges Bauland in Kombination mit vergleichsweise niedrigen Löhnen und schneller Internet-Anbindung, um ihre Infrastruktur zu konsolidieren.

Alternativ zum teuren eigenen Rechenzentrum lassen sich auch mehrere Cloud-Computing-Anbieter parallel nutzen, was allerdings technisch nicht immer möglich ist. Und so tauscht sich die Start-up-Szene gerade darüber aus, wie man künftig am besten vorgehen sollte. "Der Osterhase hatte Recht", schrieb etwa das satirische Geek-Angebot "SemiAccurate", "lege nie all deine wertvollen Eier in einen Korb".

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