Preise für Öl und Gold steigen: Euro auf Rekordkurs

Die europäische Währung ist erstmals über die Marke von 1,50 Dollar gestiegen - wegen Rezessionsangst in den USA und positiver Stimmung deutscher Unternehmer.

USA-Reisende können sich über den starken Euro freuen. Bild: dpa

BERLIN taz Nie war der US-Dollar so billig wie heute: 1,50 Dollar bekommt man inzwischen für einen Euro. Auslöser des Kursrutschs war eine Rede des Vizepräsidenten der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Donald Kohn: Das Risiko eines deutlich schwächeren Wachstums in den USA sei derzeit größer als die Gefahr der Inflation.

Die Devisenhändler interpretierten dies als einen Hinweis auf eine erneute Zinssenkung durch die Fed. Niedrigere Zinsen kurbeln die Konjunktur an, doch sinkt wegen der unattraktiven Verzinsung auch die Nachfrage nach Dollar und damit auch der Wechselkurs.

Zur Erinnerung: An den Start ging die europäische Gemeinschaftswährung Anfang 1999 zum Kurs von 1,19 Dollar. Im Oktober 2000 bekam man für einen Euro nur noch 0,83 Dollar. Wer damals die USA bereiste, dem verging angesichts der Preise Hören und Sehen. Seither aber geht es abwärts mit dem Dollar.

Der Trend wird beschleunigt durch die Angst vor einer Wachstumsschwäche, wie sie Kohn andeutete, ja sogar vor einer Rezession in den USA. Die Entwicklung in Europa ist dagegen bislang in die entgegengesetzte Richtung gegangen. Die Stimmungseintrübung, die das Institut NTC Economics im Januar für Europa feststellte, beschränkt sich auf Dienstleistungen - eine Auswirkung der globalen Finanzmarktkrise. In Deutschland verzeichnet der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo-Instituts einen deutlichen Anstieg.

"Die Höhe des Euro schmerzt schon an der einen oder anderen Stelle", meinte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. "Insgesamt können wir damit als Volkswirtschaft aber noch gut leben." Die deutschen Exporteure sind längst nicht mehr so abhängig vom Dollar wie früher. 85 Prozent des Geschäfts wickeln sie Treier zufolge inzwischen in Euro ab. Und wer wie die deutschen Autofirmen stark auf den US-Markt angewiesen ist, umgeht immer häufiger das Problem und produziert vor Ort. Die deutschen Maschinenbauer wiederum sind meist hoch spezialisiert und oft Marktführer. Ihre Maschinen werden auch dann noch gekauft, wenn sie mit dem hohen Eurokurs teurer werden.

Und schließlich hat der hohe Eurokurs auch seine Vorteile: Er dämpft die Wirkung des hohen Ölpreises. Aufgrund von Sorgen über mögliche Förderkürzungen durch die OPEC kletterte der Preis für US-Leichtöl zwar auf einen Rekord von 101,70 Dollar pro Barrel. Umgerechnet sind das aber nur 67 Euro, auch nicht mehr als vor drei Monaten.

Schon länger fragen sich Wirtschaftsexperten, ob sich die europäische Wirtschaft hinreichend von der US-Wirtschaft abgenabelt hat, um einer möglichen Rezession jenseits des Atlantiks gelassen entgegenzusehen. Die hohe Nachfrage vor allem aus Asien sorge für eine gute Auftragslage der deutschen Industrie, so DIHK-Mann Treier. Insbesondere China könnte sich aufgrund seines gigantischen Binnenmarkts vom Handel mit den schwächelnden USA unabhängig machen, hoffen die Optimisten. Doch möglicherweise ist die Entwicklung noch nicht so weit. Erst kürzlich senkte die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Wachstumsprognose für China. Grund: die Abhängigkeit von der US-Wirtschaft.

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