piwik no script img

Präsident versucht Gläubiger zu beruhigenIcesave-Rückzahlung trotz "Nein"

Der isländische Präsident kündigt die Rückzahlung von Schulden der Pleitebank Icesave an Briten und Niederländer an. Trotz "Nein" bei einer Volksabstimmung.

STOCKHOLM taz | Island will trotz des negativen Ausgangs der Volksabstimmung vom Samstag mit der Zahlung eines Teils der von Großbritannien und den Niederlanden geforderten Gelder beginnen. Dies kündigte der isländische Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson am Dienstag an.

Dem Nein-Votum der IsländerInnen gegen das Schuldenabkommen, das die beteiligten Länder geschlossen hatten, widerspricht dieser Schritt nicht. Die Abschlagszahlung wird aus der Konkursmasse der pleitegegangenen Bank geleistet. Auf diese Werte hätten die Kunden der Bank - oder wie in diesem Fall der britische und niederländische Fiskus, der die Kunden entschädigt hatte - auf jeden Fall einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch.

In welchem Umfang diese zwischenzeitlich flüssig gemachten Vermögenswerte und Forderungen die von London und Den Haag geltend gemachten Ansprüche abdecken können, steht allerdings noch nicht fest. Finanzmarktanalytiker rechnen damit, dass es sich mindestens um ein Drittel handelt.

Längerfristig könnte sich der Anteil verdoppeln

Längerfristig und wenn man nicht gezwungen werde, Vermögenswerte der Bank überstürzt und zur Unzeit auf den Markt zu bringen, könne sich dieser Anteil womöglich verdoppeln. Präsident Grimsson meinte, dass nahezu alle Forderungen aus dem verbliebenen Bankvermögen abgedeckt werden könnten - eine Einschätzung, die als recht fraglich gilt.

Die Ankündigung jetzt mit Abschlagszahlungen zu beginnen, dient Reykjavík offenbar dazu, Zeit zu gewinnen. Es droht ein Verfahren vor dem Efta-Gerichtshof. Etwa 340.000 Briten und Niederländer hatten bei Icesave investiert. Nach dem Zusammenbruch der Bank 2008 zahlten Großbritannien und die Niederlande das Geld zurück und wollen nun von Island Entschädigung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • B
    bhayes

    Auch hier in Deutschland brauchen wir dringend eine Volksabstimmung über die Transfer- und Schuldenunion.

    Im Moment ist der Kurs gesetzt auf die unbeschränkte Haftung von immer mehr Ländern, die von unfähigen Politikern bereits so weit in den finanziellen Kollaps getrieben wurden, dass ihnen an sich niemand mehr Geld leihen will.

    Deutschland wird das im Zweifelsfalle hunderte Milliarden Euro pro Jahr kosten.

    Weitere Details sind z.B. hier zu finden: http://www.nein-zur-transferunion-fuer-stabiles-geld.de