piwik no script img

Berliner SzenenPost-Harry-Potter-Lektüre

Die Krieger-Katzen

Les trotzdem weiter, sagt Fup

Mit dem siebten Band von Harry Potter sind wir durch und plötzlich tut sich eine große Leere auf. Fup und ich haben es schon mit einem Buch über Jack probiert, der im 17. Jahrhundert mit seinem Vater nach Japan schippert, wo sie überfallen werden und die gesamte Mannschaft niedergemetzelt wird. Ausführlichst beschrieben, wobei ich es gar nicht so genau wissen will, wie sich die Schlinge des maskierten Mörders um den Hals des Vaters legt, der dann mit dem letzten Atemzug blutspuckend und mit hervorquellenden Augen seinen letzten Willen röchelt. Der von einem Samurai gerettete Jack findet sich im Land mit den Essstäbchen nicht zurecht, und wenn ihn jemand auf Japanisch anspricht, versteht er nur Chinesisch. Oder Bahnhof. Wir auch. Außer Kämpfen und Töten passiert da nicht so viel.

Und deshalb gehen wir in die Amerika-Gedenkbibliothek. Dort sucht sich Fup „Warrior Cats“ aus. Im Café Brandi lese ich ihm probeweise daraus vor. Das Buch beginnt gleich mit einem Überfall von Krieger-Katzen auf andere Katzen eines Clans. Die Krieger-Katzen schwimmen durch einen Fluss und schütteln danach nicht mal ihr Fell aus. Zum Glück wird niemand getötet, aber eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass die überfallenen Katzen nur mit blutenden Nasen davonkommen.

„Les weiter“, befiehlt Fup, als ich einen besonders bluttriefenden Satz überspringe. „‚Lies weiter‘ heißt der korrekte Imperativ“, sage ich. „Les trotzdem weiter“, sagt Fup. Zu Hause finde ich in seinem Schulranzen einen Zettel, auf dem Fup einige Fragen beantwortet hat. „Mein Lieblingsbuch heißt: ‚Hari Poter‘. Der Autor heißt: ‚Joanne K. Rowling‘.“ Immerhin. Die Handlung: „Harri Poter und Lot voldemort will Harri töten und Loite von dem Pfönigsorden zuhelfen.“ Hey, denke ich, ist ja auch gar nicht so einfach, sieben Bände in einem Satz zusammenzufassen. Klaus Bittermann

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen