Polizeigewalt in den USA

Nach neun Monaten angeklagt

Der schwarze Therapeut Charles Kinsey wollte einem Patienten helfen, wobei ihm ein Polizist ins Bein schoss. Der Beamte wurde jetzt festgenommen.

Die geballte Faust eines schwarzen Mannes in Nahaufnahme

Ein Mann hebt seine Faust bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt in Chicago Foto: dpa

MIAMI afp | Neun Monate nach Polizeischüssen auf den unbewaffneten Schwarzen Charles Kinsey im US-Bundesstaat Florida ist der Polizist wegen versuchten Totschlags angeklagt worden. Wie die Staatsanwaltschaft in Miami am Mittwoch (Ortszeit) mitteilte, muss sich der Beamte Jonathon Aledda zudem wegen grober Fahrlässigkeit vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft erließ einen Haftbefehl gegen den Polizisten und nahm ihn fest.

Aledda hatte im Juli 2016 bei einem Einsatz in Miami auf den Therapeuten Kinsey geschossen, der sich gerade um einen Patienten kümmerte. Nach Angaben der Polizei war zuvor ein Notruf eingegangen, dass ein Mann mit einer Waffe herumlaufe und sich selbst umbringen wolle. Bei dem Mann handelte es sich um einen autistischen Patienten Kinseys, der aus einer Wohngruppe weggelaufen war.

Kinsey bat den Polizisten mit erhobenen Händen, nicht zu schießen. Der Polizist schoss ihm jedoch ins Bein. Die Szene wurde von einem Augenzeugen mit einem Handy gefilmt und ins Internet gestellt. In dem Video ist Kinseys Stimme zu hören, der dem Polizisten zuruft: „Er hat nur einen Spielzeuglastwagen in der Hand. Einen Spielzeuglastwagen. Ich bin Verhaltenstherapeut in einer Wohngruppe.“

Nach dem Vorfall sagte Kinsey einem Fernsehsender, der Schuss habe sich angefühlt wie ein „Mückenstich“. Auf die Frage, warum er auf ihn geschossen habe, habe der Polizist ihm geantwortet: „Ich weiß es nicht.“

Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze haben in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr vor allem in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt.

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