Pokalschreck Bielefeld schlägt Bremen: Vorne drauf gegen die Großen
Drittligist Arminia Bielefeld steht im DFB-Pokalhalbfinale. Werder Bremen ist schon der dritte Erstligist, dem der Außenseiter zum Verhängnis wird.

Es ist der Reiz dieses Wettbewerbs, dass die Kleinen die Großen ärgern und in diesen seltenen Momenten in ihrem Kicker-Dasein bundesweite Aufmerksamkeit genießen. Das gilt so auch für die Arminia, die in der dritten Liga immerhin auf Tabellenplatz vier steht. Anders aber ist, dass die Bielefelder am Dienstagabend mit einem erneut teils unkonventionellen Stil ins Halbfinale eingezogen waren und dafür mit 3,35 Millionen Euro DFB-Prämie sowie einer rauschenden Partynacht im Bielefelder Club Café Europa belohnt wurden. Getrübt wurde die Freude allerdings durch den Verdacht auf einen Kreuzbandriss bei Stürmer Roberts Uldrikis.
Schon in den Runden zuvor hatte Arminia mit ihrer ganz eigenen Pokalspielweise die ebenfalls verdienten Siege gegen den Zweitligisten Hannover 96 (2:0) sowie die Bundesligisten Union Berlin (2:0) und SC Freiburg (3:1) erwirtschaftet. Auch in diesen Vergleichen mit den jeweiligen Favoriten hatten die Bielefelder einen mutigen Außenseiterstil gepflegt. Das situative, unerschrockene Pressing gehört ebenso zu Arminias Pokalstil gegen höherklassige Mannschaften wie kämpferische Elemente und Konter. Zugleich zeigt die Arminia immer wieder Ballbesitzphasen und spielerisches Vermögen.
Von Trainer Mitch Kniat wird diese Mixtur angerührt, und sie entfaltet im schwingenden und dampfenden Hexenkessel Alm stets aufs Neue ihre scheinbar wundersame Wirkung. Wie vorm 1:0, als Bremens Verteidiger Julián Malatini den Ball im Aufbau an den anlaufenden Wörl verlor. Wörl zog mit dem Ball in die Mitte und schickte von der Strafraumgrenze einen kunstvollen Rechtsschuss aufs lange Eck, wo der Ball vom Innenpfosten ins Tor prallte (35.). Und als Malatini sechs Minuten später auch noch Stefano Russos Flanke beim Klärungsversuch ins eigene Tor lenkte, nahm Bielefelds nächste Pokalüberraschung endgültig Form an.
Erstligisten sind einfacher
Diese geriet nach Bremens Tor zum 2:1 durch den eingewechselten Oliver Burke (56.) ins Wanken. In der Nachspielzeit verhinderte zudem die Latte den Ausgleich nach dem Kopfball des ehemaligen Bielefelders Amos Pieper. „Es ist auch einiges für uns gelaufen“, resümierte Kniat. Purer Zufall aber ist das nicht. „Die Bundesligisten spielen einfach auch anders. Unserer Mannschaft liegt das“, erklärte Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel. Anders als meist in der dritten Liga müsse die Arminia nicht dominieren, sondern könne Räume nutzen, die die Bundesligisten zwangsläufig freigeben. Das nährt zumindest die kleine Hoffnung der Bielefelder, erstmals ins Pokalfinale nach Berlin zu kommen.
„Was wir bis jetzt geleistet haben als Drittligist, ist unglaublich“, sagte Wörl, „wenn du im Halbfinale als Drittligist bist, wird’s natürlich schwer. Aber träumen darf man.“ Kniat sagte: „Wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben und sind gerade auf einem guten Weg, eine noch bessere Geschichte zu schreiben.“
Für die Bremer entwickelt sich die Saison nach vier Niederlagen in Serie dagegen zu einem Albtraum. Mit 30 Punkten steht Werder im Niemandsland der Bundesliga. In Bielefeld kam ein teils irritierender Auftritt hinzu. Leonardo Bittencourt versicherte, atmosphärische Störungen gebe es nicht. „Vielleicht muss da ein bisschen Störung rein. Es ist wahrscheinlich zu lieb.“
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