: Plumpe Panikmache
KOMMENTAR
Plumpe Panikmache
Fast an Volksverdummung grenzt die „Rote-Karte“-Aktion der kassenärztlichen Vereinigung. „Ich will nicht, daß mir aus Kostengründen der medizinische Fortschritt vorenthalten wird“ — solche Plattheiten sind nicht mal mit der Erklärung „plakative Vereinfachungen“ entschuldbar.
Es ist offensichtlich, daß Mediziner, die sich mit dieser Pseudo- Information an ihre Patienten wenden, die Ängste kranker Menschen für ihre ureigensten finanziellen Interessen einsetzen wollen. Genauso schlimm ist aber, daß sie uns mit solchen Argumenten anscheinend auch noch Sand in die Augen streuen wollen. Anders kann man die Gleichsetzung von „medizinischem Fortschritt“ mit der ungehemmten Verschreibung von Medikamenten nicht deuten.
Positiv an der Aktion der kassenärztlichen Vereinigung ist deshalb auch nur, daß sie so leicht durchschaubar ist. Denn an einer Diskussion über die Umkehr aus einer Gesundheitspolitik, die immer noch durch Apparatemedizin und Pillenflut geprägt ist, will sich die Ständeorganisation der niedergelassenen Ärzte offenbar nicht beteiligen. Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten Hamburgs Patienten sich jetzt nicht vor diesen Karren der Ärzte spannen lassen. Sannah Koch
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen