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Piefkes raus aus Österreich

■ Karajan treibt's ab sofort lieber mit den Wienern

Es wird wohl nicht die letzte Meldung in Sachen Karajan gewesen sein. Der alte Herr bringt es fertig, sich immer dann, wenn wir gerade einmal nicht an ihn denken, wieder ins Gedächtnis zu bringen. Jetzt hat er seine Berliner Philharmoniker quasi aus Österreich ausgeladen: Die Pläne für die Salzburger Osterfestspiele 1990 hat er bereits ohne die Berliner gemacht, auch bei den Pfingstkonzerten will er sie nicht haben. Am liebsten würde er ihnen wahrscheinlich auch noch die Salzburger Sommerfestspiele verbieten, aber dort hat er sich vergangenes Jahr aus dem Direktorium zurückgezogen und kann nicht mehr so ganz ohne weiteres walten, wie ihm beliebt.

Statt dessen dürfen jetzt die Wiener Philharmoniker die Berliner in Salzburg ersetzen. Und das, obwohl sie wegen ihrer Operndienste nur zum Teil zur Verfügung stehen. Als sei das der „bewußten Brüskierung“ (Kultursenatorin Anke Martiny) noch nicht genug, hat Karajan für Ostern auch noch das Leipziger Gewandhausorchester eingeladen. Man wird Mahler spielen und Bruckner und Bachs h-Moll-Messe, just jene, unter deren Klängen sich Karajan und die Seinen vor Jahren in Salzburg nach dem Sabine-Meyer-Krach versöhnten.

Die Berliner CDU fordert nun, Bürgermeister Momper solle sich „vor das Orchester stellen“, eine im Zusammenhang mit Querelen um den Stardirigenten besonders pikante Formulierung. Frau Martiny betont einmal mehr ihre Bemühungen um Harmonie zwischen Orchester und Karajan (und schweigt sich nach wie vor aus bezüglich der Frage, wieso die Stadt den greisen Diktator denn unbedingt braucht). Mit seiner Entscheidung betone Karajan „in unnötiger Polemik das Scheitern dieses Bemühens“, heißt es weiter in ihrer Presseerklärung.

Auch zur Nachfolge-Debatte hat sich der Senat bisher nicht geäußert. Dabei wird hinter den Kulissen offenbar fleißig gemauschelt. Karajan-Kronprinz und CAMI-Liebling James Levine wird nicht nur in der 'New York Times‘ bereits als Nachfolger gehandelt (wie die taz bereits meldete, ist einer der 'New York Times'-Chefs, Arthur Gelb, der Vater des Vizepräsidenten der weltweit wichtigsten E-Musik-Agentur und Präsidenten von CAMI-Video, Peter Gelb). Aber auch die bundesdeutschen Gazetten haben Levine bereits zu ihrem Favoriten erkoren. Der 'Spiegel‘ widmete ihm kürzlich eine Kultur-Titelgeschichte, und Levines Konzert mit den Philharmonikern in Ost-Berlin wurde von den Tageszeitungen, allen voran der FAZ, ungewöhnlich aufmerksam gewürdigt.

Dabei hört man schon länger aus Orchesterkreisen, daß Levine bei den Musikern kaum eine Chance hat. Es wäre wünschenswert, daß Anke Martiny einmal öffentlich klarstellt, daß allein diese ihren Chef wählen werden und niemand sonst. Bleibt zu hoffen, daß wenigstens die Orchestermitglieder ihre nach der Trennung von Karajan unfreiwillig gewonnene größere Unabhängigkeit vom Willen der CAMI auch tatsächlich nutzen und sich bei ihrer Entscheidung, die neben der politischen ja vor allem eine künstlerische ist, auch von Mediengerüchten und eventuellen Senatswünschen nicht sonderlich beeindrucken lassen.

chp

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