Personenkult in Kärnten: Eine Brücke namens Haider

Seit Sonntag trägt die Kärntner Lippitzbachbrücke den Namen des toten Rechtspopulisten. Landeshauptmann Dörfler spricht von einer "Brücke der Ewigkeit". Kritiker fühlen sich an totalitäre Regime erinnert.

Stand gerne nah am Abgrund: Jörg Haider Bild: ap

BERLIN taz Vom ersten Kärntner Bauwerk, das nun den Namen Jörg Haiders trägt, kann man tief fallen. Am Sonntag wurde die 455 Meter lange Lippitzbachbrücke zwischen Bleiberg und Ruden, die sich an ihrer höchsten Stelle 96 Meter über das Flüsschen Drau erhebt, nach dem tödlich verunglückten Kärntner Landeshauptmann und Chef des rechtspopulistischen "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) benannt. Ein Tag später hätte Haider seinen 59. Geburtstag gefeiert. Sein Amtsnachfolger Gerhard Dörfler, ebenfalls vom BZÖ, hatte die Maßnahme im Alleingang angeordnet, gegen den Willen der übrigen Parteien im Landesparlament. Deren Vertreter blieben demonstrativ dem Festakt fern, bei dem Dörfler am Brückengeländer Schilder mit der Aufschrift "Jörg-Haider-Brücke" fest schraubte.

Die Brücke wurde erst am 11. Dezember 2005, damals in Gegenwart von Jörg Haider, eingeweiht. Ihr Bau kostete 9,3 Millionen Euro. Finanzielle Ungereimtheiten führten zu Anfragen im österreichischen Parlament. Auch schon bei der Errichtung der Brücke betrieb das "Bündnis Zukunft Österreich" Parteipropaganda. In die Betondecke wurde ein Abschnitt in der Parteifarbe Orange eingelassen.

Dörfler, der erst kürzlich in aller Öffentlichkeit rassistische Kalauer riss und Polizisten beleidigte, ließ es sich nicht nehmen, vor 700 Gästen, viele davon in BZÖ-Wahlkampfkleidung, weiter am Mythos Haider zu stricken. Wie die tief im Erdreich verankerte Brücke, sei auch Haider immer fest am Boden gestanden, habe "aber auch hohe Ziele und Visionen" gehabt, sagte er laut der Kleinen Zeitung. In seiner Rede sprach Dörfler von einer "Brücke der Begegnung", gar von einer "Brücke der Ewigkeit". Seinen Kritikern richtete er aus, dass auch nach Exbundeskanzler Bruno Kreisky Plätze und Straßen benannt seien. Also stehe dies Haider auch zu. Ein Geistlicher, der Gurker Stiftspfarrer Gerhard Christoph Kalidz, äußerte sich in seiner Rede um Nuancen differenzierter über Haider. Dieser habe sich "bemüht, über viele Brücken zu gehen". Nicht immer aber sei ihm der Brückenschlag zu den Mitmenschen gelungen.

Das sehen insbesondere die Vertreter der slowenischen Minderheit in Kärnten so. Der Vorsitzende der Einheitsliste, Vladimir Smrtnik, erinnerte an Haiders Kampf gegen zweisprachige Ortsschilder in Gebieten mit slowenischem Bevölkerungsanteil. Es wandte sich strikt dagegen, "dass die Brücke nach jemand benannt wird, der das Trennende und nicht das Verbindende in den Mittelpunkt seiner Politik gestellt hat." Die Brückentaufe erinnere "stark an totalitäre Regime, die alles Mögliche nach ihren Führern zu benennen pflegen".

Besonders heftige Kritik übte der Obmann der SPÖ-Jugendorganisation, Michael Raunig. Gegenüber der Presse äußerte er, die Umbenennung der mit Steuermitteln finanzierten Brücke sei "heller Wahnsinn" und fragt: "Wird Kärnten demnächst in Haider-Land umbenannt?"

Fast sieht es so aus. Denn der eher hölzern agierende Dörfler versucht, als beflissener Wächter des Kults um den ungebrochen populären Haider einem möglichen Amtsverlust entgegenzuwirken. In fünf Wochen muss er sich bei Landtagswahlen dem Votum der Kärntner stellen. Die BZÖ wird auf den Wahlzetteln im übrigen als "Liste Jörg Haider" geführt. Auf Dörflers Veranlassung hin soll im Frühjahr 2009 an jener Stelle, an der Haiders VW Phaeton im vergangenen Herbst von der Straße abkam und sich überschlug, eine Gedenkstätte errichtet werden - mit einer kleinen begehbaren Kapelle. Das Bundesland Kärntnen kaufte das dazu notwendige Grundstück für 30.000 Euro. Und, laut Dörflers Aussage, kümmert sich die Haider-Witwe Claudia um die Errichtung eines Museums zum Gedenken an ihren Mann. Dort sollen Gegenstände aus Haiders Büro für die Nachwelt aufbewahrt und zugänglich gemacht werden.

OP

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