piwik no script img

Parteibüros blitz-besetzt

■ Göttinger Autonome entern SPD, CDU und FDP

In einer Blitzaktion haben in Göttingen etwa 80 zum Teil vermummte Männer und Frauen die Parteibüros von CDU, FDP und SPD besetzt. Nach zehn Minuten verschwanden sie wieder. Unter den Demonstranten waren laut Polizei auch Frauen aus dem Göttinger Frauen- und Lesbenzentrum. Tags zuvor hatte ein Göttinger Gericht in einem Mietprozeß entschieden, daß die Frauen aus dem städtischen Gebäude ausziehen müssen.

Sie beschmierten die Wände der Parteigebäude, die Büros und Möbel mit Parolen wie: „Gegen staatlichen Rassismus“ oder „Bleiberecht für alle“. Das SPD-Büro wurde nach Polizeiangaben schwer verwüstet. Dabei entstand ein Sachschaden von rund 10 000 Mark. Im CDU-Büro wurden Ordner aus den Regalen gerissen und die dort Beschäftigten am Telefonieren gehindert. In das Büro von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth konnten die Demonstranten nicht eindringen, weil die Mitarbeiterin sich eingeschlossen hatte. In schriftlichen Erklärungen des „Frauen-Lesben-Zentrum Göttingen“ und der Autonomen hieß es, diese Parteien seien für den Asylkompromiß verantworlich. Die Polizei fing vor den Büros und vor dem Göttingen Jugendzentrum Innenstadt JUZI etwa ein Drittel der Besetzer ab.

Die Freien Demokraten im Landtag haben inzwischen Bundesratsminister Jürgen Trittin (Grüne) für die Ausschreitungen in Göttingen mitverantwortlich gemacht. Hildebrandt (FDP) erklärte, Trittin habe mit seinen jüngsten Äußerungen in London den Göttinger Randalierern das „ideologische Rüstzeug“ für ihre Aktionen geliefert. dpa

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen