Papierverschwendung der Bahn: Drucker ignorieren Ticketgröße

Die Bahn AG tauscht Ticketdrucker aus. Am Schalter gibt es jetzt nicht nur Fahrkarten, sondern auch viel Müll.

Bahntickets werden in Zukunft im A4-Format ausgedruckt Bild: dpa

BERLIN taz Die Frau am Bahnschalter klickt auf die Computermaus, prompt schieben sich vier DIN-A4-Bögen aus dem Papierausgabefach des Druckers. Von jedem einzelnen Blatt reißt sie zwei Drittel ab, die sie auf einen Haufen neben den Drucker wirft. Sie legt neues Papier nach, klickt noch einige Male, und es folgen zwei weitere DIN-A4-Ausdrucke. Übrig bleiben: zwei herkömmliche Zugfahrtickets, zwei Reservierungskarten, zwei Reiseverbindungsinformationen. Der Kunde wollte eigentlich nur eine Fahrkarte Berlin-Göttingen hin und zurück kaufen.

Die Deutsche Bahn AG hat die Ticketdrucker an den Verkaufsschaltern ausgetauscht. Bisher hatten dort speziell für die Bahn angefertigte Nadeldrucker ihren Dienst versehen, die nun in die Jahre gekommen sind. Sie waren so alt, dass es kaum noch Ersatzteile gab. Die Bahn ist nun auf moderne, handelsübliche Drucker umgestiegen: "Das ist wirtschaftlicher, als wieder mit einer Insellösung wie den Spezialdruckern anzufangen", sagt ein Bahn-Sprecher der taz. Der Haken: Die neuen Drucker sind nicht auf das Format der Ticketvordrucke abgestimmt. So wird für ein Ticket nun ein DIN-A4-Bogen verbraucht.

Die Vordrucke werden eigens für die Bahn angefertigt, mit DB-Wasserzeichen und dem von Bahntickets bekannten Kachelmuster. Aber größer sind die Tickets nicht geworden, sie machen nur das untere Drittel der Papierbögen aus. Trotzdem sei es technisch nicht möglich, die DIN-A4-Bögen mehrmals zu nutzen, sagt der Bahnsprecher. Reisende könnten sich "auch ihre Notizen auf dem Rest des Bogens machen". Dazu müssten Passagiere den Papierrest allerdings am Schalter einfordern - doch wer macht das schon.

Der Papierverbrauch in Deutschland lag im Jahr 2006 nach Angaben des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) bei rund 250 Kilogramm pro Einwohner. Zahlen für 2007 sind noch nicht veröffentlicht. Im Oktober vergangenen Jahres hatten zwölf Umwelt- und Verbraucherschutzverbände die Bundesregierung aufgefordert, den Papierverbrauch in Deutschland um 50 Prozent zu senken. Agnes Dieckmann von der beteiligten Umweltschutzorganisation Urgewald: "Es ließe sich bereits eine ganze Menge erreichen, wenn Papier beidseitig bedruckt oder überflüssige Ausdrucke vermieden würden." Außerdem forderte Dieckmann, mehr Recyclingpapier einzusetzen, das mit dem Gütesiegel Blauer Engel gekennzeichnet ist. Nur dieses garantiere, dass 100 Prozent Altpapier verarbeitet worden sei.

Die Bahn achtet nicht auf den Blauen Engel. Der Sprecher erklärt, dass die Ticketbögen immerhin dünner geworden seien. Er sagt auch, dass die Bahn noch dieses Jahr anstrebe, das Papier nach den Standards des Forest Stewardship Council (FSC) zertifizieren zu lassen. Diese verlangen anders als der Blaue Engel kein Altpapier, sondern nur eine Papierproduktion, die mit weniger Chemie als die herkömmliche auskommt. Und der Bahnsprecher sagt: Die Bahn plane, künftig Reiseverbindungen Papier sparend auf den oberen zwei Dritteln der Ticketbögen auszudrucken.

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