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Pädagogisches Füllhorn oder Mogelpackung?

■ Schulsenatorin Rosemarie Raab servierte zu Schuljahresbeginn nur positive Nachrichten / Kritiker sind weiterhin unzufrieden

Satte Zuwächse und Ausweitungen pädaogischer Angebote quollen aus dem Füllhorn, das Hamburgs Schulsenatorin Rosemarie Raab während ihrer Pressekonferenz zu Schuljahresbeginn über die Häupter der Journalisten ergoß. Mehr Lehrer, mehr soziale Betreuung in den Lehranstalten der sozialen Brennpunkte, mehr Integrationsklassen für behinderte und nichtbehinderte Kinder enthielt die Positiv-Bilanz der Sozialdemokratin. Ganz anders dagegen die Kritiker. Durch Schönreden ließen sich die Mängel wie das Lehrerdefizit nicht verdecken, kommentierte Reinhard Soltau (FDP) im Gleichklang mit der Lehrergewerkschaft GEW.

Die Zahl der Hamburger Pennäler an allgemeinbildenden Schulen stieg gegenüber dem Vorjahr um 2000 (1,4 Prozent) auf rund 210000 an. Verloren haben dagegen die beruflichen Schulen und zwar 0,5 Prozent ihrer Schüler. Mit einem Plus von 9,5 Prozent haben die Gesamtschulen die Nase vorn. Die Gymnasien registrierten 0,7 Prozent Zuwachs, während die Grund-, Haupt- und Realschulen ein Minus von 1,6 Prozent einstecken mußten. Das heißdiskutierte Lehrerdefizit sei auf 72 Stellen zusammengeschrumpft, so die Senatorin.

Am ärgsten betroffen vom Pädagogen-Loch sind mit 2,1 Prozent offenen Stellen nach wie vor die Sonderschulen und das, obwohl erst kürzlich die Arbeitszeit der Sonderschullehrer angehoben wurde. Knapp dahinter folgen mit 1,9 Prozent die Berufsschulen, die ohnehin kaum geeigente Lehrer finden und die Gesamtschulen mit 1,9 Prozent. Einzig die Gymnasien stehen laut Raab mit einem überhang von 1,8 Prozent Stellen relativ gut da. Doch dies sei Trugschluß, rechnet die GEW vor. Bei genauem Hinsehen fehlten auch den Gymnasien Pädagogen. Insgesamt müßten Senat und Bürgerschaft an die 300 zusätzliche Stellen bewilligen, um endlich die Hamburger Schullandschaft in Ordnung zu bringen.

Drei pädagogische Neuerungen gibt es im Schuljahr 92/93. Erstmals wird ein Gymnasium (Klosterschule in St. Georg) Ganztagsschule, die Gewerbeschule 19 bietet eine Ausbildung zum Umweltschutztechniker an und eine Schulversuch zur Vermeidung von Analphabetismus (siehe taz vom 1. August) startet. Ansonsten werden Projekte wie die integrierte Haupt- und Realschule oder zweisprachige Klassen an Gymnasien ausgeweitet. sini

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