Osama bin Ladens Tod: Hinrichtung via Twitter

Bin Laden ist tot. 302.653 Personen gefällt das. Im Internet wurde der Tod des Terror-Führers kommentiert - schneller als in den herkömmlichen Medien.

Digital gesehen von gestern: Osama bin Ladens Konterfei auf einem Fernseher in Kabul. Bild: AP

US-Präsident Barack Obama wurde via Twitter die Show gestohlen. Um 22:30 Uhr amerikanischer Zeit, wollte der Präsident die Nachricht vom Tod bin Ladens verkünden.

Eine Viertelstunde vorher schrieb aber Keith Urban, ehemaliger Mitarbeiter von Donald Rumsfeld, über Twitter "eine glaubwürdige Person hat mir gerade erzählt, dass sie Osama bin Laden getötet haben." Mit einer Stunde Verzögerung trat dann Obama vor die Kameras und bestätigte die Meldung.

Zu dem Zeitpunkt hatten sich schon Tausende vor dem Weißen Haus versammelt. Viele kamen wegen der im Netz schwirrenden Gerüchte über die Tötung der al-Qaida-Spitze. Schon Stunden vor der Pressekonferenz hatte ein Pakistani über militärische Handlungen in der Nähe seines Wohnortes getwittert, ohne zunächst genau zu wissen, dass es sich dabei um die Aktion gegen Osama bin Laden gehandelt hatte.

Der IT-Berater Sohaib Athar, der unter dem Namen "ReallyVirtual" Tweets verschickt, soll live aus dem pakistanischen Abbottabad über den tödlichen Angriff geschrieben haben. Zuerst beschwerte er sich über den Lärm von Hubschraubern, dann hörte er einen Knall und begann sich zu sorgen. "Ein Knall, der Fenster erzittern lies. Ich hoffe das ist nicht der Start von etwas Unschönem", schrieb er kurz nach Mitternacht am 2. Mai auf seinem Twitter-Account.

Er berichtete weiter über die Ereignisse, doch erst später merkte er, was tatsächlich geschah: "Osama bin Laden getötet in Abbottabad, Pakistan." Gestützt werden seine Berichte durch die Angaben pakistanischer Sicherheitskräfte. Diese teilten mit, die Aktion habe um 21:00 Uhr begonnen. Bin Laden sei zwischen 01.30 und 02.00 Uhr Ortszeit am frühen Montag getötet worden.

Die Zahl der Mitglieder der schon länger existierenden Facebook-Gruppe "Osama Bin Laden is DEAD" schnellte wenige Stunden nach Bekanntwerden von bin Ladens Ableben auf über 300.000 Fans. Und schon während der Ansprache Obamas verzeichnete Twitter mehr als 4.000 Nachrichten pro Sekunde. "Ich habe über den Tod von bin Laden über eine Statusmeldung auf Facebook erfahren", schrieb ein Nutzer in die Gruppe. Ein Status als Schlagzeile. Die Geschwindigkeit birgt aber auch Tücken.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte: "#Kanzlerin: Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger, hat Grundwerte des Islam und aller Religionen verhöhnt." Sofort danach korrigierte er: "bin Laden verantwortlich für tod tausender Unschuldiger." Seibert ist jedoch nicht der Einzige, dem die Verwechslung Osamas mit Obama unterlief. Ein ähnlicher Fehler tauchte auch auf Spiegel Online und unzähligen anderen Nachrichtenportalen auf. Entsprechende Screenshots kursieren natürlich auf Twitter.

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