Organspenden am Berliner Herzzentrum: Anzeige wegen Betrugsverdacht
Am Berliner Herzzentrum soll eine Ärztin die Warteliste für Organspenden manipuliert haben. Nach internen Ermittlungen erstattete das Zentrum Selbstanzeige.
BERLIN dpa | Gegen das Deutsche Herzzentrum Berlin wird wegen des Verdachts des Betrugs bei Herzspenden ermittelt. Wie Der Tagesspiegel und die Berliner Zeitung am Freitag berichteten, gehe es darum, dass Patienten auf der bundesweiten Warteliste für Organspenden durch Manipulationen bessere Positionen eingenommen und eher Spenderherzen erhalten hätten. Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sei informiert worden. Das Zentrum stellte Selbstanzeige, berichteten die Zeitungen unter Berufung auf eine Sprecherin. Die Staatsanwaltschaft prüfe den Fall.
Das Herzzentrum, eines der größten in Europa, wollte sich am Freitag zunächst nicht zu weiteren Details äußern. Die Staatsanwaltschaft war am Morgen nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Insgesamt soll es sich den Berichten zufolge um knapp 30 Patienten handeln, denen eine Oberärztin zwischen 2010 und 2012 hohe Dosen bestimmter Medikamente verschrieben haben soll. Dies habe signalisiert, dass der Gesundheitszustand sehr kritisch ist. Damit rückten die Betreffenden in der Warteliste auf eine Organspende weiter nach vorn.
Die Manipulationen deckte den Presseberichten zufolge eine nach dem Organspende-Skandal von 2012 eingesetzte Prüfkommission auf. Dazu gehöre auch die Bundesärztekammer. Ende August soll dazu ein Bericht vorliegen.
Jeder Patient, der auf eine Organspende wartet, wird bundesweit in einer Liste geführt. Damit soll erreicht werden, dass gespendete Organe nur nach medizinischer Notwendigkeit und nicht gegen hohe Summen vergeben werden. Am Herzzentrum in Berlin werden pro Jahr mehr als 2.500 Operationen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine und mehr als 2.000 weitere Operationen an Herz und Blutgefäßen durchgeführt, darunter etwa 100 Herz- und/oder Lungen-Transplantationen.
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 360 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert