■ Ordensbrüder: Sufis im Senegal
Im Senegal hat der Islam ein anderes Gesicht, als man es aus den Ländern des Orients kennt. Fast alle muslimischen Senegalesen, die 93 Prozent des Acht- Millionen-Volkes ausmachen, sind Anhänger einer Sufi-Bruderschaft, von denen es ein halbes Dutzend gibt. Die wichtigsten sind die Mouriden und die Tijaniden. Die Tijaniden sind der Zahl nach größer, doch ihre Häupter sind heillos zerstritten. Die Mouriden dagegen sind straff organisiert und üben weit größeren Einfluß aus.
Der Islam kam zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert über die Sahara an die atlantische Küste. Doch er blieb jahrhundertelang die Religion der Herrschaftshäuser. Erst im 19. Jahrhundert, unter französischer Herrschaft, breitete sich der Islam unter dem Volk aus. Es waren die „Marabouts“, wie die Sufi-Scheiche in Afrika genannt werden, die die Lehre des arabischen Propheten in den senegalesischen Busch trugen. In mystischer Form vermochte der Islam die animistischen Kulte aufzunehmen. Aus Medizinmännern und Zauberern wurden Scheichs und Marabouts, aus dörflichen Solidargemeinschaften mystische Orden. „Das ist Synkretismus par excellence“, sagt der Islamkundler Khadim Mbacke. Der 50jährige hat ein kritisches Buch über das Ordenswesen geschrieben. Seitdem gilt er als schwarzes Schaf des heiligen Klans. Doch auch er kommt alle Jahre zum Magal, ohne aber an dem frommen Fest teilzunehmen. Bei dem Gedränge, so meint der Wissenschaftler, bekomme er keine Luft.
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