DIE GESELLSCHAFTSKRITIK: Opfer des Patriarchats
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WAS SAGT UNS DAS? In Pakistan wird ein Social-Media-Sternchen tot aufgefunden. Ihr Bruder bekennt sich zur Tat
Eine Mittzwanzigjährige, die Fotos von sich im Fitnessstudio verbreitet. Im Schwimmbad. In westlichen Ländern wäre das eine Banalität. Doch in ihrem Heimatland Pakistan provozierte Quandeel Baloch. Sie war dort eine Art Kim Kardashian – ein Social-Media-Sternchen, dessen Berühmtheit sich aus der Zurschaustellung ihres Lebens speiste. Und für die sie nun mit ihrem Leben bezahlte.
Am Samstag wurde die 26-Jährige tot im Haus ihrer Familie in Multan aufgefunden. Erwürgt. Ihr Bruder Waseem hat sich pakistanischen Polizeibehörden zufolge zu der Tat bekannt. Weil sie den Namen ihrer Familie entehrt habe – mit den „schändlichen“ Bildern, die sie im Netz von sich postete.
Konservative Pakistanis verabscheuten Quandeel Balochs Selbstpräsentation in sozialen Medien und verurteilten sie scharf. Baloch war aber auch populär – verfolgten doch auf Facebook mehr als 700.000, auf Twitter 40.000 ihre Posts. Sie, die sich selbst als „Inspiration für Frauen, die schlecht behandelt werden“, bezeichnete, und sich kürzlich wegen Morddrohungen um Polizeischutz bemüht hatte, der ihr nicht gewährt wurde, war jüngst in die Kritik geraten, als sie ein Video postete, das sie mit einem muslimischen Geistlichen zeigte – und bei dem Versuch, sich auf seinen Schoß zu setzen.
Über 3.000 Frauen sind zwischen 2008 und 2014 getötet worden, weil ihre Familien ihre Ehre durch sie beschädigt sahen, schätzt Pakistans Menschenrechtsbehörde. Quandeel Baloch ist eine weitere von ihnen – eine, die besonders exponiert dafür stritt, ihr Leben nach ihren eigenen Regeln zu leben. Dass auch sie nun dafür mit dem Tod bestraft wird, ist grauenvoll. Auch, weil ihr Beispiel einmal mehr vor Augen führt, dass nichts, was man aus der sicheren Distanz des Westens darüber schreibt, etwas daran ändern wird, dass solche Morde immer wieder geschehen. MLA
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