: Ohne Recherche laut nachgedacht
■ "hidden shakespeare" und "Notausgang" bei "Junge Hunde im Mai" auf Kampnagel
und Notausgang bei Junge Hunde im Mai auf Kampnagel
Der dritte Premierenzwilling des Produktionsforums Junge Hunde im Mai basierte auf Zweieiigkeit. Stehgreif-Klamauk von der Gruppe hidden shakespeare und Bewältigungstheater zum Thema „Junge Rechtsradikale“ von der Gruppe Notausgang teilten den Abend in zwei berührungslose Teile. Beginnen durften die sechs improvisierenden Unterhalter von hidden shakespeare mit ihrer amüsanten Sketch-Show Wilder Wechsel. Unter Einbeziehung
1des Publikums, das Stichworte und Themen liefern sollte, entwickelte das Team auf vorgefertigten Mustern verschiedene Spielchen und Szenen. Mit Spontanität, Schlagfertigkeit und trockenem Humor gelang es dem Sextett unter Leitung von Mignon Remé eine Stunde das Gelächter am Kochen zu halten.
Etwa mit dem „Freeze“-Spiel, bei dem die Zuschauer mit Zuruf eine Szene einfrieren und einen Darsteller auswechseln konnten,
1der aus der Situation eine neue Geschichte entwickeln mußte. Oder beim Interview einer dreiköpfigen Experteneinheit, die auf Fragen des Publikums zu einer gemeinsam formulierten Antwort kommen mußte, die sie Silbe für Silbe ertasteten. Daß das Ganze wie der kreative Abend einer Klassenreise in der Jugendherberge „Frischauf“ im Schwarzwald wirkte, sorgte mit für die ausgelassene Albernheit.
Spielte Wilder Wechsel mit Kli-
1schees noch in einer Art, die zwar Geschmackssache aber legitim ist, so quälte die Gruppe Notausgang bei ihrem Versuch, das Rechtsradikalen-Klischee zu hinterleuchten, das Publikum mit dummen Stereotypen. Schon die „unheimlich betroffen machende“ Ansprache vor dem Stück: „Wir haben nachgedacht über Rechtsradikale und uns gefragt, was könnte passiert sein?“ ließ Schlimmes befürchten. Von da ab mußte man den schmerzlichen Prozeß lauten Nachdenkens von verhinderten Sozialpädagogen über den menschlichen Kern des Rechten über sich ergehen lassen. Kein gutmeinendes Klischee über die angeblichen Ursachen des neuen Rechtsradikalismus wurden ausgelassen. Scheinbar ohne jede Recherche und kritische Textarbeit wurden die von Gemeinplätzen triefenden Schuldzuweisungen eines Stern-Lesers kolportiert: Der unsensible Vater, die verbal-terroristische Mutter und der heuchlerische Lehrer hams verbockt und die schöne Kameradschaft hats gerichtet.
Konnte Stephan Krampwirth als junger Depp, dessen Aggros voll sind, wenigstens seiner Schmalspurfigur noch Glaubwürdigkeit geben, so erfüllte der stets weinerlich schwafelnde Sebastian Rudolph alle Anforderungen an Juso-Gymnasiasten-Theater. Anstatt Texte vom JAK-Stück Abwege zu frisieren, hätte Notausgang sich lieber den dort arbeitenden Geist zum Vorbild nehmen sollen. Till Briegleb
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