Ökologische Fernwärme

Vattenfall bestreitet Mogelei

In Altona bezahlen Bewohner für ökologische Fernwärme extra – daran, ob die Wärme auch eigens für die Gebäude produziert wird, gibt es Zweifel

In der Kritik: Die Fernwärmeversorgung der Neuen Mitte Altona Foto: Miguel Ferraz

HAMBURG taz | Auf dem geräumten Gleisgelände am Bahnhof wachsen die ersten Gebäude der Mitte Altona in die Höhe. Das neue Stadtviertel soll in puncto Klimaschutz vorbildlich werden. Ob dem so ist, daran hat der Hamburger Energietisch (HET) im vergangenen Jahr Zweifel geäußert. Einen Teil davon versichert Vattenfall, ausräumen zu können.

Der Energietisch, der über die Umsetzung des Volksentscheids über den Rückkauf der Energienetze wacht, kritisiert die geplante Fernwärmeversorgung des neuen Stadtteils. Diese soll komplett von Vattenfall Wärme Hamburg übernommen werden.

Um einen hohen Klimaschutzstandard zu erreichen, wird Vattenfall zu 60 Prozent „Fernwärme Natur-Mix“ aus erneuerbaren Quellen liefern und zu 40 Prozent konventionelle Fernwärme.

Die Wärme aus dem Natur-Mix werde möglicherweise doppelt vermarktet, kritisierte der Energietisch. Denn dafür werde bloß erneuerbare Wärme, die heute schon ins Netz gespeist werde, diesem Produkt zugeordnet, für das Vattenfall dann auch noch einen Aufschlag von den Bewohnern verlange.

Der Volksentscheid zum Rückkauf der Energienetze von 2013 verpflichtet den Senat, auch die Verantwortung für die Fernwärme zu übernehmen.

Das Fernwärmenetz von Vattenfall samt der dazugehörigen Erzeugungsanlagen soll zum 1. Januar 2019 von der Stadt gekauft werden.

Verbindliches Ziel ist demnach „eine sozial gerechte, klimaverträgliche und demokratisch kontrollierte Energieversorgung aus erneuerbaren Energien“.

Ein Konzept, wie dieses Ziel erreicht werden soll, will Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) im November vorlegen.

Eine entscheidende Frage dabei ist, wie das Kohlekraftwerk Wedel, das derzeit den größten Teil der Fernwärme liefert, ersetzt werden soll.

Zugleich fließe diese Ökowärme aber in die ökologische Klassifizierung der gesamten Vattenfall-Fernwärme ein. Bisher gebe es keine klaren Regeln, mit denen sich die Wärmeanteile sauber trennen ließen, warnte der ehemalige Umweltstaatsrat Christian Maaß (Grüne).

Vattenfall verwahrt sich gegen den Vorwurf, mit dem Natur-Mix eine Mogelpackung zu liefern. Die Wärme dafür komme aus Holz- und Biogasverbrennungsanlagen in der Borsigstraße, die nicht auf die konventionelle Fernwärme angerechnet würden. „Die Kapazitäten der beiden neuen Produktionsanlagen sind noch nicht ausgeschöpft“, sagt Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Buckow. Wenn die Mitte Altona fertig sei, würden sie die nötige ökologische Fernwärme erzeugen.

Kritisch sieht der Energietisch auch, dass die Ökowärme mit anderen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (Enev) verrechnet werden kann. „Im Prinzip gilt: Je ‚ökologischer‘ die Wärmeversorgung, desto weniger hoch sind die Anforderungen an die Gebäudehülle“, bestätigt die Umweltbehörde. Das gehe aber nicht beliebig weit nach unten, denn die Bauherren müssten die Mindeststandards der Enev einhalten.

Trotzdem kann das unterm Strich für die Bewohner heißen: Sie zahlen mehr für die Wärme und müssen mehr heizen.

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