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Öko-Tempodrom in die Mitte der Hauptstadt

■ Kreuzberg bietet neuen Standort für Tempodrom-Zelt an: Anhalter Bahnhof, Görlitzer Park und Gleisdreieck im Gespräch

Residiert das „Tempodrom“ bald am Anhalter Bahnhof? Der Kreuzberger Bürgermeister Peter Strieder (SPD) jedenfalls hat diesen Platz angeboten – neben Standorten am Gleisdreieck, dem Görlitzer Park oder am ehemaligen Mauerstreifen. Damit kommt in die seit einem Jahr andauernde Standortdiskussion für das Zirkus- und Musikzelt neue Bewegung. Die bisherige Suche nach einem Areal in Treptow für die Berliner Kulturinstitution habe nur zu „unnötigen Querelen“ geführt, schrieb Strieder in einem Brief an Tempodrom-Chefin Irene Moessinger. Strieder weiter: „Berlin kann es sich nicht leisten, auf das engagierte und attraktive Kulturangebot zu verzichten.“ Die Hauptstadt dürfe das Tempodrom nicht an den Rand drängen.

Favoriten unter den diskutierten Standorten sind die Flächen am Gleisdreieck und der Anhalter Bahnhof. „Für das Gleisdreieck, auf dem ja ein Park entstehen soll, kann ich mir eine zusätzliche Kultureinrichtung im Stile eines Tivoli gut vorstellen“, sagte Strieder zur taz. Das bauliche Konzept der Berliner Architektin Jutta Kalepky für ein festes Theater-und-Musik- Gebäude mit einer „Solarkuppel“ und weiten „Dachsegeln“ könne aber auch im Bereich des Anhalter Bahnhofs entstehen. Wie ernst es Strieder meint, zeigt die Tatsache, daß er noch in diesem Monat eine Arbeitsgruppe einrichten will, die die Standorte, den Lärmschutz des schnittigen Architekturprojekts, Umfeldanforderungen, Verkehrsanbindungen und Autostellflächen prüfen soll. „Schon in drei Monaten“ könne das Ergebnis auf dem Tisch liegen, so Strieder.

Das Tempodrom-Zelt an der Kongreßhalle kann wegen des Umzugs von Parlament und Regierung nur noch bis 1996 im Tiergarten bleiben. Nach bisherigen Plänen sollte das neue, 3.000 Zuschauer fassende „Öko-Tempodrom“ einen Standort im Treptower Park erhalten. Seit dem Sommer dieses Jahres blockieren allerdings bezirkliche Vorbehalte und offene Grundstücksfragen die Verhandlungen. Bis dato konnte sich weder der Bezirk noch der Senat auf einen der drei Standorte im Park – Im Steinlager, Am schlesischen Busch oder am Busbahnhof – festlegen, da ökologische und denkmalpflegerische Bedenken sowie finanzielle Probleme nicht ausgeräumt werden konnten. Für den Steinlager-Standort etwa, direkt an der Spree und wegen seiner günstigen Lage auf dem ersten Rang, müßten erst Grundstücke im Wert von vier bis sechs Millionen Mark von der Stern und Kreisschiffahrt Gesellschaft erworben werden, so der Sprecher des Bezirks, Günter Teske. Es wäre natürlich schade, wenn der Bezirk nicht den Zuschlag erhielte, so Teske zur taz. Um jeden Preis wolle Treptow das Tempodrom aber nicht. Nun müsse der Senat mithelfen, den Standort zu klären. Rainer Klemke, Sprecher der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten, die sich für den Senat mit dem Tempodrom und dem Bezirk um Flächen bemüht, bestätigte, daß „man Treptow zwar noch im Feuer“ halte. Er ließ aber erkennen, daß „andere und schnellere Standortentscheidungen“ von seiner Verwaltung durchaus „begrüßt“ würden. Mit entscheidend sei, daß die Lärmschutzbestimmungen eingehalten würden.

Nach Ansicht der Architektin Kalepky bietet der hintere Teil des Anhalter-Bahnhof-Geländes gute Voraussetzungen für das Tempodrom. In diesem „relativ störungsfreien Bereich“ wären auch Schallwellen der Außenbühnen „leicht in den Griff zu kriegen“. Das mehrschalige Haus in Form eines Zeltes mit offenen Übergängen zwischen innen und außen sei kein Lärmzentrum. Irene Moessinger hatte nach den Treptower Querelen auch mit einem Stellplatz auf dem Tempelhofer Flugfeld (Standort Rosinenbomber am Columbiadamm) liebäugelt. „Wir werden natürlich mit Kreuzberg reden“, sagte sie gestern. Der Bürgermeister spreche ihr aus der Seele, wenn er meine, das Tempodrom solle nach Kreuzberg „umgesiedelt“ werden. Rolf Lautenschläger

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