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Nur noch zehn Monate Wehrdienst?

■ Rühe denkt bei Chilebesuch an Wehrzeitverkürzung/ Beharren auf Freiwilligenarmee/ Hilfe für Chiles Armee

Santiago de Chile (dpa) – Die Wehrdienstzeit in der BRD soll von zwölf auf zehn Monate verkürzt werden. Dafür sprach sich Verteidigungsminister Rühe (CDU) bei seinem Besuch in Santiago de Chile aus. In einer Diskussion mit chilenischen Offizieren bezeichnete es Rühe als „denkbar“, daß eine Wehrdienstverkürzung bereits ab Mitte der 90er Jahre vorgenommen werden könne. Nachdrücklich plädierte er für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und gegen die Umwandlung der Bundeswehr in eine Berufsarmee.

In bezug auf Rühes Vorschlag einer Wehrzeitverkürzung sah sich das Bundesverteidigungsministerium gestern jedoch zu einer präzisierenden Korrektur des Chefs veranlaßt. Rühe habe in Chile keinesfalls eine Verkürzung des Grundwehrdienstes von zwölf auf zehn Monate angekündigt. Der Minister habe lediglich auf einen bereits bekannten Sachverhalt hingewiesen. Danach werde im Rahmen der eventuellen Reduzierung der Bundeswehr unter die international vereinbarte Höchststärke von 370.000 Mann in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auch die Frage untersucht, ob eine Reduzierung des Grundwehrdienstes „erforderlich und möglich“ sei. Am Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht werde festgehalten, betonte das Ministerium.

Zum Abschluß eines viertägigen Besuches in Chile vereinbarte Rühe mit seinem Amtskollegen Patricio Rojas eine „neue Phase der Zusammenarbeit“, die sich vor allem auf dem Gebiet der „Ausbildung und Menschenführung“ vollziehen soll. Während der Diskussion mit den Offizieren antwortete Rühe auf die Frage nach einem neuen Aufkeimen des Nationalsozialismus in Deutschland, diese Gefahr könne er „nur bei einigen Verrückten“ erkennen. Die Bildung rechtsradikaler Gruppierungen hinge mit dem Asylproblem eng zusammen, das deshalb bald gelöst werden müsse. Er flog gestern in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires weiter.

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