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Nominiert für den panterpreis 2026 „Erste freie Zeitung der DDR“

Zum Mauerfall gegründet wird die Studierendenzeitung UnAufgefordert von der Berliner Humboldt Universität bis heute von einem engagierten Team Ehrenamtlicher herausgebracht.

taz panterpreis | Die Chefredaktion wird jedes Jahr neu gewählt und verantwortet drei bis vier gedruckte Ausgaben. Keine:r der Autor:innen hat eine journalistische Ausbildung. Ständig kommen neue Leute dazu oder verlassen das Blatt. Geld gibt es auch keins. Kann man unter solchen Bedingungen guten Journalismus machen? UnAufgefordert, die Studierendenzeitung der Humboldt-Universität in Berlin, kann es.

Ein Kollektiv von Nachwuchsjournalist:innen, das sich ständig erneuert, berichtet über Hochschulpolitik, studentisches Leben und Kultur. Und das seit Jahrzehnten: Die erste Ausgabe der „UnAuf“ erschien an der HU eine gute Woche nach dem Mauerfall – als „erste freie Zeitung der DDR“, wie sie sich selbst bezeichnet. Aktuell bereitet die Chefredaktion mit Felicitas Hohmann, Thordis Schreiber, Emely Stache und Andreas Stein die 275. Ausgabe vor. Seit zehn Jahren ist UnAufgefordert außerdem online zu lesen.

taz panterpreis „Medien von unten“

Ausgeschrieben war der taz panterpreis unter dem Motto „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“. Vom 8. bis 27. Juni 2026 findet unter taz.de/panterwahl die öffentliche Wahl darüber statt, wer der sieben Nominierten den Publikumspreis gewinnt. Die Preisverleihung, inklusive des Jurypreises, ist im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit am 14. Oktober um 18 Uhr im Museum der Arbeit.

Jedes Heft kreist um ein Thema. Im Schönheits-Heft berichtete das Team etwa über African Fashion und Rassismus in der deutschen Modebranche und beschrieb die Ästhetisierung von Gewalt in Filmen. In der Großstadt-Ausgabe ging es etwa um die Politik der Straßennamen und die Frage, warum in Berlin ein Volksentscheid zu Klimaneutralität gescheitert ist, in Hamburg dagegen nicht.

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taz panterpreis Nominierte 2026 | UnAufgefordert, Studierendenzeitung HU Berlin

rafik auf grünem Hintergrund: Links springt ein schwarzer Panther. Rechts steht „taz Panterpreis 2026“ und darunter „UnAufgefordert, Studierendenzeitung“ sowie „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“.

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Für die 272. Ausgabe reisten im vergangenen August sechs Redaktionsmitglieder nach Serbien. Sie berichteten über die Proteste, die sich am Einsturz eines Bahnhofsdachs entzündet hatten und bald das ganze Land erfassten. Das UnAuf-Team besuchte besetzte Fakultäten, wagte sich bei einer Gedenkveranstaltung unter Nationalist*innen, sprach mit Profs und Studierenden. Heraus kam ein Heft, das die Situation in Serbien ausführlicher und tiefgehender beschreibt als viele professionelle Zeitungen in Deutschland dies taten.

Unterstützung durch ein großes Netzwerk

Bei der Vorbereitung bekam die UnAuf erfahrene Unterstützung: ZDF-Journalist Wolf-Christian Ulrich erklärte, worauf man bei der Arbeit im Ausland achten muss. Ulrich war während seines Studiums an der HU selbst UnAuf-Redakteur. Über die Jahrzehnte haben Generationen von Studierenden hier ihre ersten journalistischen Schritte gemacht. Für viele wurde daraus ein Beruf. Deshalb habe man bei Bedarf „ein großes Netzwerk“, sagt Thordis Schreiber.

Redaktion und Layout-Team arbeiten komplett ehrenamtlich. Von der Uni oder der Studierendenschaft bekommt UnAuf kein Geld, seit das StudentInnenparlament die Finanzierung 2008 nach einem Streit einstellte. Herausgeber ist seit 2009 der „Freundeskreis der UnAufgefordert e. V.“ „Die Druckkosten finanzieren wir über Werbung“, sagt Andreas Stein. „Wir brauchen vier bis fünf Anzeigen, um sie zu decken.“ Die Serbien-Recherche finanzierte die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Bundesmitteln.

Als Nächstes plant die Redaktion eine Ausgabe über Ungarn. „Nach dem Machtwechsel wollen wir vor allem erfahren, wie die jungen Menschen darüber denken,“ sagt Felicitas Hohmann. Auch um die Inhaftierung der deutschen nicht-binären Person Maja T. und die künftige Rolle Ungarns in der EU soll es gehen. Vor 15 Jahren war die UnAuf übrigens schon einmal in Ungarn. Thordis Schreiber: „Wir haben die damaligen Beteiligten schon angesprochen und nach ihren Erfahrungen gefragt.“