Nils Schuhmacher Hamburger Soundtrack: Mittendrin statt nur am Arsch
Die Welt ist am Arsch und Automatic mittendrin“, titelte das Volt Magazin dieser Tage. Der Satz lässt aufhorchen. Er könnte ja auf die Möglichkeit hinweisen, dass irgendwer irgendwo auch mal nicht (sozusagen automatisch) mittendrin steckt. Das aber glauben nur Realitätsverweigerer oder Leute, die sich als Premium-Prepper eine Südseeinsel gekauft haben. Dieser Typus schaut der Welt aus sichererer mentaler oder räumlicher Entfernung beim Taumeln zu. Er ist mittendrin, aber nicht dabei.
Anders verhält es sich, so ist der Satz dann wohl gemeint, mit Bands wie Automatic (27. 10., Hafenklang): Sie umkreisen den Arsch mit den richtigen Worten und dem richtigen Sound. Das All-female-Trio entstammt der Indie-Szene von Los Angeles und hat es vor Ort bereits zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht. Zur Programmatik der Gruppe gehören düster gestimmte Texte und Musik. Ein Song fängt an, bringt die Sache auf den Punkt, und schon beginnt ein nächster Song, der eine andere Sache auf den Punkt bringt. Wer, wie mancherorts versprochen, „Minimal Electro“ und „Post-Punk“ erwartet, darf sich allerdings getäuscht sehen. Denn die kargen Lieder mit ihrer notorisch dünnen Synthie-Untermalung und dem im Vordergrund stehenden antreibenden Bass entführen uns in ein Land, in dem Margaret Thatcher gerade die Regierung übernommen hat und Punk-Dystopien hoch im Kurs stehen. Also in frühere Zeiten, in denen auch bereits alles „am Arsch“ war.
Und wer macht ein bisschen Licht? Shana Cleveland (31. 10., Aalhaus) vielleicht. Aber mit Dimmer. Die mittlerweile ebenfalls aus Los Angeles stammende Musikerin spielt unter anderem bei La Luz. Im Gegensatz zu deren retrofuturistischem „Surf noir“ fällt hier alles deutlich entschleunigter, fragiler und verwehter zugleich aus. Clevelands Songs vagabundieren durch die verschiedenen Spielarten des Folk, verbünden sich hier mit Americana, dort mit der Transzendenz der Hippies. Sie klingen im Gesamten wie eine Gespenstergeschichte, in der sowohl die guten Zeiten als auch der Abschied vom irdischen Quark herbeizitiert werden. Und zur poetischen Grundstimmung passt auch, wie der Arsch genannt wird: „Nacht des Wurmmondes“ (Plattentitel).
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