Neues Album von Audio88 und Yassin: Die Welt bleibt weiterhin scheiße

Mit „Normaler Samt“ veröffentlicht das Duo sein massentauglichstes Album. Trotzdem lassen sich Audio88 & Yassin nicht vom Mainstream vereinnahmen.

Ausschnitt des Covers „Normaler Samt“ von Audio88 & Yassin. Bild: Heart Working Class

„Zwei Herrengedeck, bitte“ nannten die beiden Berliner Rapper Audio88 & Yassin ihr Debütalbum 2009. Im Jahr darauf erschien das zweite: „Nochmal zwei Herrengedeck, bitte“. Erst jetzt erscheint Album Nummer drei „Normaler Samt“. Es ist nicht das erste deutschsprachige Rapalbum mit Samt im Titel. Zu nennen wären etwa die Vorgänger „Lila Samt“ von Sookee, „Grüner Samt“ von Marsimoto (alias Marteria) und nicht zuletzt das als Klassiker geltende Soloalbum von Torch: „Blauer Samt“.

Von diesem halten Audio88 & Yassin nichts. Aber weil sie vorher schon wussten, dass ihr neues Album ein Klassiker wird, musste es eben Samt sein – selbstbewusst und selbstironisch zugleich. Warum ist für sie Samt normal? Für das Duo sind Dinge dann normal, wenn sie so absurd sind, dass kein anderes Wort sie treffender beschreiben könnte. Normal halt. „Was normal ist und was nicht / bestimmen Yassin und ich“, rappt Audio88 im Titelsong. Selbstverständlich ist außerdem, dass ihre Version von Rap ohne Imageklüngeleien auskommt. Daraus folgt schließlich, dass sie den deutschen HipHop der letzten Jahre zum Kotzen finden.

Bei Weitem nicht das einzige, was den beiden ehemaligen Philosophiestudenten Aggressionsprobleme beschert hat. „Die Welt dreht sich weiter / Egal, wer du gern wärst / Und sie bleibt weiterhin scheiße / Egal, wer sich beschwert“, heißt es in „Die Welt dreht sich weiter“. So viel Verdrossenheit braucht ein Ventil. Audio88 & Yassin spucken ihren Groll in die Mikrofone, und zwar auf kreative Weise. Damit wären wir tatsächlich beim sogenannten Ursprungsgedanken von HipHop. Außerdem hilft ihnen die Dämlichkeit der Konkurrenz.

Sie setzen keine politischen Statements, um sich zu profilieren. Und die beiden äußern eine Meinung nur dann, wenn sich eine Debatte damit auch wirklich bereichern lässt. Ihre jedenfalls linke Gesinnung mögen ihre Auftritte in besetzten Häusern und auf Solipartys bezeugen. Von denen haben sie mittlerweile aber die Schnauze gestrichen voll. Mit Textzeilen wie „Ich hab zu viel RTL gesehen / Um mich selbst noch ernst zu nehmen“ (aus dem Track „Das Orakel von Delfin“) liefern sie derart präzise Alltagsbeobachtungen ab, dass Jugendversteher wahrscheinlich froh wären, mit ihnen einen Tag im Elfenbeinturm zu verbringen.

Yassin und Audio88 verbringen ihre Zeit lieber mit guten Freunden, die auch noch gute Musiker sind. Insbesondere dem Produzenten Torky Tork, den Scratches von Breaque und analogem Mastering ist es zu verdanken, dass „Normaler Samt“ stilvoll und rund klingt. Ihr Label „Heart Working Class“ arbeitet inzwischen professionell, sodass es den beiden tatsächlich noch passieren könnte, richtig berühmt zu werden – ob sie nun wollen oder nicht.

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