piwik no script img

Neuer AfD-Jugendverband in NiedersachsenVerfassungsschutz bekommt Arbeit

Der niedersächsische AfD-Nachwuchs hat sich neu gegründet. Zur Vorsitzenden wurde Rebecca Seidler aus dem Björn-Höcke-Dunstkreis gewählt.

Andreas Speit

Aus Hamburg

Andreas Speit

Die Junge Alternative (JA) Niedersachsen ist wieder da. Nach fast zweieinhalb Jahren konnte aus dem AfD-Landesverband heraus eine neue Jugendorganisation gegründet werden. Die neue Vorsitzende Rebecca Seidler ist Beisitzerin im Landesvorstand der Mutterpartei und nach eigenen Bekenntnis Teil der „Mannschaft Kestner“.

Im Herbst war es der „Mannschaft“ gelungen, die Neuwahl der alten Landesvorsitzenden Dana Guth zu verhindern und Jens Kestner zum Landesvorsitzenden zu wählen. Der AfD-Bundestagsabgeordnete hatte nie verheimlicht, dass er zum mittlerweile aufgelösten „Flügel“ um den Thüringischen Landeschef Björn Höcke gehört. Diese Selbstauflösung erfolgte, um eine Ausweitung der Beobachtung durch den Verfassungsschutz auf die Gesamtpartei zu verhindern.

Seidler ist seit März 2017 in der Partei. Wenige Tage nach dem Landesparteitag erklärt die Anfang 30-Jährige in einem kurzen Video, sie sei im Landesvorstand „vorrangig dafür zuständig, die Koordinierung der neuen Jungen Alternative Niedersachsen zu begleiten“. Sie betonte gleich: „Hierfür beschäftige ich mich ausgiebig mit dem Thema Verfassungsschutz.“

Keine Überraschung: Seit September 2018 hatte der niedersächsische Verfassungsschutz die JA Niedersachsen offiziell beobachtet, woraufhin der Landesverband zügig aufgelöst wurde. Zuvor war nicht nur der ehemalige Landesvorsitzende Lars Steinke wegen Kontakten zu rechtsextremen Gruppen wie „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“ oder der „Identitären Bewegung“ aufgefallen.

Sogar für die JA zu radikal

Aus der JA selbst wurde dem Bezirk Braunschweig vorgehalten, in einer Whatsapp-Gruppe Aussagen gepostet zu haben wie: „Wir sollten Tierversuche stoppen und Flüchtlinge dafür nehmen“ oder die „Endlösung für die Musels in Deutschland“ zu fordern.

Zur Zeit der Selbstauflösung hatte die JA Niedersachsen etwa 150 Mitglieder. Nun will sie wieder rechte Jugendliche gegen den „politischen Mainstream“ mobilisieren. Mit dem Segen der Mutter­partei.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

0 Kommentare