: Neue Besen kloppen gut
Zum Glück hat Deutschland einen neuen Bundestrainer. Der alte muss ja schlimm gewesen sein
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Von Uli Hannemann
Fußballdeutschland ist gespannt wie ein Flitzebogen: Die ersten Spiele mit dem neuen Bundestrainer stehen an. Sie werden garantiert gewonnen, es fragt sich nur, wie hoch: zehn zu null, zwanzig zu null oder gar hundert zu null? Wir lassen uns überraschen.
Der neue Bundestrainer ist sehr beliebt. Er wird mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Zu Recht, denn er macht alles besser. Die Spieler, den Staff, die Außendarstellung. Vor allem sorgt er dafür, dass Deutschland praktisch immer gewinnt. So wie früher. 1939 bis 1941. Und dann wieder 1954 bis 2014. War ja normal.
So richtig steil den Bach runter ging es, als der alte Bundestrainer kam, also der direkte Vorgänger von dem neuen. Der soll ja sehr schlecht gewesen sein. Ein schlimmes Arschloch. Keine Ahnung von absolut gar nüscht. In dem Punkt waren sich, kaum dass er weg war, auf einmal alle wundersam einig. Vorher haben sie ihm noch jahrelang Honig ums Maul geschmiert.
Aber im Nachhinein kommen eben immer mehr unbequeme Wahrheiten ans Licht. Nicht nur, dass er sich bei Bundesligaspielen nie im Stadion hat blicken lassen. Nein, er soll obendrein gesagt haben, dass ihm Fußball an sich komplett am Po vorbeiginge. Er möge lieber Wasserhockey und hätte den Job nur des Geldes wegen angenommen. „Ein Idiotenspiel von Idioten für Idioten“, hat er angeblich gesagt und Fußballfans als „Kacka in Menschengestalt“ bezeichnet.
Das wird von allen Seiten gratismutig behauptet, jetzt, da der Typ weg ist und sich nicht mehr wehren kann. Manche, die ihn vor der WM noch verteidigt haben, munkeln nun, er habe seine Frau mit einem selbstgebastelten Nasenbohrer aus Bakelit umgebracht. Wiederum andere wollen wissen, dass er ein Brot gestohlen hat. Und die Spatzen würden von den Dächern pfeifen, dass der alte Bundestrainer gegen reichlich Rubel in Putins Auftrag den deutschen Fußball von innen heraus zerstören wollte.
Er sei jedenfalls, so hört man unisono, ein kolossaler Verbrecher gewesen. Das alles ist natürlich völlig unbelegt, weil die Spatzen ja niemand wirklich belastbar versteht. Die könnten genauso gut irgendwelche klassischen Vogelinterna getschilpt haben, zum Beispiel, wo es die besten Körner gibt oder welche Katze besonders spinnt.
Aber kein Wunder, dass sie unter dem immer verloren haben. Einmal sogar gegen eine Babymannschaft. Oder im Rahmen einer Technikmesse auf Kleinfeld gegen so Schrottroboter, die ständig von alleine umgefallen sind. Und selbst gegen eine gemischte Vertretung aus Geranien und Kieselsteinen gab es mit Ach und Krach nur ein Null zu Null. Irgendwann war die Geduld des DFB am Ende, und sie haben den alten Bundestrainer durch den neuen Bundestrainer ersetzt.
Der tut natürlich viel für seine Beliebtheit. Er ist ein Glücksfall für den deutschen Fußball – schon am zweiten Arbeitstag wurde er offiziell heiliggesprochen. Alle paar Stunden taucht er in einem anderen Stadion auf, selbst wenn gerade gar kein Spiel ist. Egal, dann setzt er sich auf die Tribüne, guckt runter aufs Spielfeld und denkt sich noch was Tolles aus: Eine neue Taktik, mit drei Spielern nebeneinander, und ein dritter springt dann drüber. Hahaha, das wird die Gegner verwirren. Tausend zu null. Bald ist man Waldmeister, Weltmeister, Weltraummeister. Voller Vorfreude reibt er sich die Hände.
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Er bringt die müden Spieler wieder auf Trab, flößt ihnen neuen Mut und Selbstbewusstsein ein. Zeigt ihnen, wie man den Ball mit der Innenseite stoppt und dass man auch mal abgeben kann, wenn ein Mitspieler besser steht. Er macht die Blinden gehend, die Lahmen sehend und im Abseits Stehende werden rein. Kreuzbandrisse heilt er durch Handauflegen oder indem er da bloß einen Wickel aus Arnikablüten drumherum macht.
Auf Anregung des neuen Bundestrainers wird es auch einen neuen Feiertag geben: den „Tag der Nationalmannschaft“. Statt Weihnachten. Da fährt er im Nationaltrikot in einem offenen Wagen durch die Straßen und wirft Kamellen in die Menge. Er lacht und winkt, so voll sympathisch mit seinen riesigen weißen Hauern wie der Biber aus der Dentagard-Werbung. Das Volk johlt, „Kloppo, Kloppo!“, denn so heißt der neue Bundestrainer. Das macht was mit den Fans; das ist irre effektiv, was die Bindung zur Mannschaft anbelangt. Keine noch so dünne Taktikbesprechung passt mehr zwischen Team und Anhänger. Dabei sind das reine Basics.
Der alte Bundestrainer wäre trotzdem nie draufgekommen. Wenigstens mal einfach eine Sekunde lang nett sein? Konntest du bei dem komplett vergessen. Immer schnippisch, immer frech. Etikette, Kommunikation, Diplomatie: alles Fehlanzeige. Dabei hat er anfangs durchaus seine faire Chance gehabt. Aber sobald der irgendwo an die Öffentlichkeit getreten ist, hat er als Erstes laut gefurzt. Und als Nächstes alle Anwesenden durchbeleidigt. Jedenfalls erzählt man sich das, und dann wird es ja wohl stimmen.
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