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Nazi-Ikone Remer auf der Flucht vor der Justiz

■ Der Ex-Generalmajor der Wehrmacht trat seine Haft wegen Volksverhetzung nicht an / Die Behörden fahnden mittlerweile international nach ihm

Berlin (taz) – Der Arm der bayerischen Justiz griff nicht schnell genug zu. Als Beamte der Staatsanwaltschaft Schweinfurt am 15. März den 81jährigen Altnazi Otto Ernst Remer in seiner Wohnung abholen wollten, mußten sie feststellen, daß der Drahtzieher vom rechten Rand untergetaucht war. Der ehemalige Generalmajor der Wehrmacht hätte bis zum 14. März seine Haft in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth antreten sollen. Weil er nie erschienen war, erließ die Staatsanwaltschaft einen Vollstreckungshaftbefehl.

Bereits Ende 1992 war Remer wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhaß vom Landgericht Schweinfurt zu einer Strafe von 22 Monaten verurteilt worden. Im Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof scheiterte Remer. Nach der ersten Vorladung zum Haftantritt teilte Remers Anwalt Hajo Herrmann der Staatsanwaltschaft mit, sein Mandant sei nicht hafttauglich. Die Staatsanwaltschaft war anderer Meinung und lud Remer in einem Schreiben vom 5. März erneut vor. Vergebens.

Mittlerweile suche die Staatsanwaltschaft international nach dem Volksverhetzter, sagte der Leiter der Behörde, Walter Rupprecht, zur taz. Remers Anwalt, der das Mandat inzwischen niedergelegt hat, hält es für möglich, daß sich Remer gemeinsam mit seiner Frau ins Ausland abgesetzt haben könnte. Herrmann habe die Flucht seines Mandanten jedoch überrascht, weil Remer ihm gegenüber gesagt hatte, er wolle die Haft auf alle Fälle antreten, „auch wenn ich in der Haft verrecke“. Seit drei Wochen habe er keinen Kontakt mehr zu Remer gehabt, allerdings habe er vor wenigen Tagen mit Remers Frau telefoniert. In dem Gespräch habe sie gesagt, sie könne wegen des schlechten Gesundheitzszustandes ihres Mannes nicht riskieren, ihn wegzulassen. In Remers Wohnung in Bad Kissingen meldet sich seither ein unbekannter Mann, der darauf beharrt, Remer und seine Frau seien verreist.

Remer wird in rechten Kreisen aus historischen Gründen wie eine Ikone verehrt. Remer war Hauptbeteiligter bei der Niederschlagung des Aufstandes gegen Hitler am 20. Juli 1944. Er hat in dem Pamphlet „Remer Depesche“ mehrmals die Vergasung der Juden als Lüge bezeichnet. awa

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