: Nachschlag
■ Volltreffer beim Heimspiel: „Grundlos glücklich“ – Zwei Drittel im Mehringhof
Cheeese!!! Foto: Veranstalter
Ein schleichendes Unwohlsein, nein, ein rechtes Unglück befällt Zwei Drittel beim Betrachten ihrer Generation. Ihre Generation? Wer ist das? Die Nach-68er, 81er eigentlich schon, die aber auch nicht wenig revolutionär waren, vor Mutlangen lagen, Hüttendörfer bauten, Häuser besetzten, bei Kohls erster Neujahrsansprache den WG-Fernseher aus dem Fenster warfen und irgendwie voller Hoffnung waren. Ja, für diese Generation ist es nun auch langsam Zeit, Rückschau zu halten: auf das Leben, die Jugend und die Politik. Was war es doch lustig. Ob wir vor der rechten Gefahr jetzt auf die Malediven oder in die Lüneburger Heide flüchten, das idyllische Landhaus in der Mark Brandenburg erstehen, um hier multikulturelle Straßenfeste zu veranstalten, oder nach der großen Erbschaft endlich nichts mehr von unsren alten Freunden und Genossen wissen wollen. Das Leben ist auf jeden Fall zu kurz, um sich von aussichtslosen Idealen allzu lange einengen zu lassen. Vielleicht merkt's ja niemand.
All das bringt Zwei Drittel wieder mal überaus professionell auf die Bühne. Schauspielerisch und musikalisch sind die vier (Christoph Jungmann, Barbara Klehr, Robert Munzinger und Gabi Schmalz) ausgezeichnet, und auch mit Bühne und Kostümen hat man sich ungeheuer viel Mühe gegeben. Keine Pointe ist flach oder altbekannt, kein Sketch mißlungen oder – schlimmer noch – mittelmäßig, und das beinahe zwei Stunden lang. Ein schönes Timing von Regisseur Jan-Gerd Buss. Das will erst mal nachgemacht sein! Es waren vor allem Fans gekommen an diesem Premierenabend, an dem das Musikkabarett Zwei Drittel im Mehringhof-Theater sein neues Programm „Grundlos glücklich“ vorstellte – Insider, das dritte Drittel des Abends. Und die lachten dann auch schon schallend, wenn ein Ensemblemitglied die Bühne auch nur betrat und allein durch seine Anwesenheit das Publikum an irgendeinen Sketch der vorletzten Show erinnerte. Aber auch für die anderen, die Neuen, gab es genug Gründe, glücklich zu sein. Volker Weidermann
Bis 19.6., Mi.–So., 21 Uhr, Mehringhof-Theater, Gneisenaustraße 2a, Kreuzberg.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen