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Nach Koch nun Rhein

Kannibale von Rotenburg sucht die Freiheit

Wir sind ja immer dafür, resozialisierte Strafgefangene möglichst frühzeitig zu entlassen. Aber im Fall des weltberühmten Leckermauls Armin Meiwes haben selbst wir Zweifel, ob das angebracht ist. „‚Kannibale von Rotenburg‘ will früher aus Haft“, meldete die Gourmet-Agentur dpa am Mittwoch. Zur Erinnerung: Meiwes verbüßt seit 2006 eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes, weil er einen Internetbekannten getötet, zerlegt und teilweise gegessen hatte. 2008 berichtete dann die Wahrheit, dass Meiwes aus der Justizvollzugsanstalt Kassel geflohen war, um seinen von der dürftigen Gefängniskost verursachten Hunger am damaligen hessischen Ministerpräsidenten zu stillen. „Roland Koch aufgegessen“, titelte die Wahrheit seinerzeit. Koch wurde von Meiwes als Coq au vin zubereitet, wie die Sonderkommission „Coq“ ermittelte. Nach einer ausgedehnten Fahndung wurde der flüchtige Kannibale, der ein politisches Motiv stets bestritt, schließlich in der Frankfurter Fressgass’ festgenommen. Auch gut 20 Jahre danach ist fraglich, ob Armin Meiwes inzwischen soweit resozialisiert ist, dass er keinen Geschmack am aktuellen hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein findet. Selbst als Rheinischer Sauerbraten mit Rosinen ist derCDU-Mann nicht genießbar.

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