: Mr. Mercedes ist tot
■ Werner Niefer starb an Lungenkrebs
Stuttgart (taz/dpa) — Er machte die steilste Karriere in der bundesrepublikanischen Wirtschaft und vermasselte dann doch noch in seinen letzten Amtsmonaten den eleganten Abgang in den Ruhestand: Werner Niefer, bis Ende Mai 1993 Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz AG, starb gestern im Alter von 65 Jahren. Nach Angaben des Unternehmens überlebte er eine Operation an der Lunge nicht. Niefer litt an Krebs.
Vor 50 Jahren hatte Niefer mit dem Lehrlingsjahrgang 1943 „beim Daimler“ in Untertürkheim an der Werkbank begonnen. Die beiden großen Pkw-Werke der Mercedes-Benz AG in Bremen und Rastatt gehen ganz wesentlich auf seine Initiative zurück.
Als Diplomingenieur war Mr. Mercedes zuerst im Großmotorenbereich im Stammwerk Untertürkheim tätig. 1976 wurde er in den Vorstand der Daimler-Benz AG berufen, wo er das Ressort Produktion übernahm. Am 30. Mai 1989 nahm er dann das Steuer der weltweit agierenden Mercedes- Benz AG in die Hand.
Das wurde ihm dann kurz vor seinem regulären Pensionierungstermin entwunden — ein paar Monate gar mußte er zwangsweise mit seinem Nachfolger zusammenarbeiten. Zu wuchtig war die S- Klasse geraten, das Produkt eines alten, unbeweglich gewordenen schweren Mannes, wie die Branche hämte. Die falsche Modellpolitik, die trotz verschärften weltweiten Wettbewerbs weiter auf die „beste Technik“, egal zu welchem Peis, setzte — sie wurde vor allem Niefer angekreidet, obwohl auch Daimler-Chef Edzard Reuter sowie die Aufsichtsräte von Daimler und Mercedes ihn nie bei seinen Plänen bremsten.
Zudem geriet ihm ein Unfal zum Skandal, als er seinen Wagen nach einer feuchtfröhlichen Betriebsfeier in Italien durch enge Gassen steuerte und dabei eine Touristin am Bein schwer verletzte: Anstatt sich zu entschuldigen, brachte er immer elaboriertere Rechtfertigungen zu Protokoll. Daß ihm, dem Erfolgsverwöhnten, plötzlich „so viel Schlechtigkeit“ von Kollegen und Öffentlichkeit entgegengebracht wurde, konnte er nicht verwinden.
So schob man den Langgedienten aufs Altenteil, einen Sitz im Aufsichtsrat. Daneben durfte er den Vorstand insbesondere in Fragen der Geschäftsbeziehungen zu den Ländern der GUS, den arabischen Staaten und Israel beraten. dri
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