Möbelhäuser werben mit Pseudo-Rabatten: Von wegen billig

Viele Möbelketten werben mit Schummelpreisen: Erst wird der Preis künstlich erhöht, dann werden die Möbel herabgesetzt. Der Kunde zahlt genausoviel wie vor der Rabattaktion.

Setzt du noch hoch oder rabattierst du schon? Bild: dpa

BERLIN taz Jeder Deutsche gibt im Schnitt jährlich 370 Euro für Möbel aus - mehr als in allen anderen europäischen Ländern. Ob Ikea, Möbel Höffner oder Roller: Rabattaktionen und Werbesendungen vermitteln den Eindruck eines harten Preiskampfs. Tatsächlich ziehen manche Ketten aber die Kunden mit undurchsichtigen Zahlenspielchen über den Tisch.

Das ZDF-Wirtschaftsmagazin "Wiso" hat sechs Wochen lang Rabattschlachten und Werbeaktionen großer Möbelhäuser verglichen. Über die Ergebnisse berichtet das Magazin am Montagabend. Ein beliebter Trick sind faule Rabatte: Der Preis wird für einige Tage hochgesetzt, um ihn anschließend zu rabattieren. Der Rabatt beträgt dann genauso viel wie die vorherige Preiserhöhung, sodass der Kunde letztendlich genau das Gleiche zahlt wie vor der Rabattaktion.

Beispiel Möbel Höffner, nach Ikea Deutschlands zweitgrößter Möbelhändler: Mit dem Ledersofa "Santiago" kam Elisabeth Rürup aus Oldesloe dem Möbelriesen auf die Schliche, der diese Masche einsetzte: Rund 2.800 Euro sollte das gute Stück im Laden kosten. Dann lag ein Prospekt im Briefkasten, der das Sofa mit 25 Prozent Rabatt bewarb. Im Möbelhaus entdeckte sie dann, dass der Preis der Garnitur auf 3.300 Euro gestiegen war. Wegen Irreführung drohen Möbel Höffner nun 250.000 Euro Strafe, falls er erneut mit Mondpreisen auf Kundenfang gehen sollte.

Beliebt ist auch die Methode, ständig die Preise der angebotenen Möbel zu wechseln, um so Preisabschläge bewerben zu können. Bei der süddeutschen Möbelkette Segmüller fand "Wiso" ein Hochbett, das innerhalb von vier Wochen sechsmal umgepreist wurde. Der Preis schwankte in der Zeit zwischen 129 und 299 Euro.

Diese Masche ist verbreitet. "Wiso" fand etwa beim Discounter Roller unterschiedliche Preisschilder für dasselbe Produkt, die in Klarsichthüllen einfach hintereinandergesteckt sind und gar nicht ausgetauscht werden. Der durchgestrichene Preis wechselt nach Belieben.

Die Selbstkontrolle der Wirtschaft sieht sich relativ machtlos gegenüber diesen Praktiken. Mondpreise müssen im Einzelfall nachgewiesen werden. "Wir können in diesen Fällen nur eingreifen, wenn nachweisbar ist, dass die Originalpreise der angeblich reduzierten Ware auch tatsächlich nicht verlangt wurden", sagt Rainer Münker von der Wettbewerbszentrale. Die Organisation ist eine Selbstkontrollinstitution der Wirtschaft. Münker setzt auf die gegenseitige Kontrolle der Marktteilnehmer: "Hilfreich ist einfach, dass der Wettbewerb sich selbst beobachtet, denn die Unternehmer selbst sind viel näher dran, können viel eher entscheiden als der Verbraucher, ob gemogelt wird oder nicht." Aber das funktioniert - so zeigen es die "Wiso"-Recherchen - nicht wie erhofft.

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