piwik no script img

■ Mit der Betriebssanierung auf du und duEin Leihboß zum Großreinemachen

Helsinki (taz) — Manche Branchen erfahren durch die Rezession erst den richtigen Aufschwung. Während in Finnland die Bekanntmachungsspalten mit den täglichen Konkursmeldungen bald mehr Platz in den Zeitungen einnehmen als die Stellenangebote, hat die neugegründete Firma „Proman AB“ die Wirtschaftskrise als Marktlücke entdeckt: „Mit harter Hand“, so die Eigenwerbung, saniert unser Mann — bisher sind tatsächlich nur Männer bei der Firma angestellt — ihr Unternehmen.

„Proman“ verleiht Chefs, die in der Firma mal so richtig ausfegen. Für 4.000 Finmark (ca. 1.300 DM) Tagesmiete bringt der Leihboß das Unternehmen auf Vordermann. Garantie inbegriffen: Der Auftraggeber, der nicht zufrieden ist, bekommt — angeblich — sein Geld zurück. Knut Holmstrand von „Proman“: „Ein fremder Chef sieht aus der Hubschrauberperspektive, die er hat, die Probleme eines Unternehmens viel deutlicher als die alteingesessene Führung.“ Im Klartext: Er hat weniger Skrupel, mal so richtig durchzugreifen, Abteilungen umzustrukturieren und Leute vor die Tür zu setzen.

Während der Firmenchef sich vier Wochen auf den Malediven sonnt, darf der Leihboß schalten und walten, wie er will. Und ihm kann der Altchef dann auch alle Schuld für die Kündigungen und andere Schlechtigkeiten in die Schuhe schieben, wenn er braungebrannt und erholt den Betrieb wieder übernimmt. Das Betriebsklima werde weniger nachhaltig gestört, verspricht Holmstrand — und: „Unser Mann ist allemal noch besser als der Konkursverwalter.“

Zahlen, wie viele Firmen den Leihboß schon gebucht haben, will „Proman AB“ nicht nennen, doch angeblich läuft das Geschäft glänzend. Von einer Adresse, die nach weitverbreiteter Medienmeinung dringend eine neue Führung bräuchte, hat die Firma allerdings noch keine Anfrage bekommen: von der Regierungskanzlei, wo Ministerpräsident Esko Aho vergeblich versucht, die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen. Nicht mehr lange, so wird in der Gerüchteküche geraunt. Nach den Kommunalwahlen am 18. Oktober steht auch hier ein Großreinemachen an, so glauben die Kommentatoren. Vermutlich aber wird es auch dann ohne einen, im Vergleich zum Ministerpräsidenten geradezu preisgünstigen Leihboß abgehen. Reinhard Wolff

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen