■ Mit Rußlands Energie auf du und du: Ausgepowerte Devisenbringer
Berlin (dpa/taz) – Die russische Energiewirtschaft, wichtigster Devisenlieferant des Landes, wird nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) überfordert. Die Primärenergieproduktion sinke seit fünf Jahren. Eine halbherzige Energiepolitik führe zu Produktionseinbußen, schreibt das DIW in seinem jüngsten Bericht. Der Energiesektor müsse einen hohen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten und Devisen erlösen. Wegen Kapitalmangels könnten veraltete Technik nicht ersetzt und Förderausfälle nicht behoben werden.
1993 sank die Primärenergieproduktion nahezu um sieben Prozent. Starke Produktionsseinbrüche gab es bei der Erdölgewinnung (zwölf Prozent) und der Kohleförderung (zehn Prozent). Die Produktion von Erdgas nahm um 3,5 Prozent ab. Relativ stabil entwickelte sich die Atomenergie mit 12,5 Prozent Anteil am Stromaufkommen. Über zwei Drittel des Stroms allerdings kommen aus fossil befeuerten Kraftwerken.
Im Prinzip gilt der Energiesektor als diejenige Branche Rußlands, der auf dem Weltmarkt noch die besten Chancen eingeräumt werden. Trotzdem sind die Energieerzeuger immer stärker in Liquiditätsengpässe geraten: Hohe Beschaffungskosten, ausstehende Zahlungen der in- und ausländischen Abnehmer und die hohe Steuerlast zehren die Einnahmen in Windeseile auf. Dadruch sei der Spielraum für Investitionen eingeengt, schreibt das DIW. In der Folge wird die veraltete Fördertechnik weiter verschlissen, was wieder zu abnehmender Förderung und sinkenden Einnahmen führt.
Die Energiepolitik der Regierung verschärft die Probleme noch, indem sie von der Energiewirtschaft die Quadratur des Kreises fordert: Hohe Devisenerlöse seien nur zu erzielen, wenn die niedrigen Weltmarkt- Ölpreise durch große Exportmengen kompensiert würden, schreiben die Wirtschaftsforscher des DIW. Gleichzeitig verlange die Politik, daß der hohe inländische Energieverbrauch gedeckt werde und die inländischen Energiepreise nur langsam stiegen.
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