Missbrauchsverdacht: Gewalt während Ferienfreizeit

Jugendliche aus Osnabrück sollen während einer Jugendfreizeit von anderen Teilnehmern vergewaltigt worden sein. Betreuer griffen offenbar nicht ein.

In einer Jugendherberge: Auf der Insel Amerland soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Bild: dpa

Während einer Ferienfreizeit des Osnabrücker Stadtsportbundes (SSB) auf der niederländischen Insel Ameland ist es unter den jugendlichen Teilnehmern zu sexuellen Übergriffen gekommen. Acht Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren sollen sechs bis acht 13-jährige Jungen unter anderem mit Colaflaschen penetriert haben. Tatort war ein Schlafsaal der Jungen, in dem sich etwa 40 Kinder aufhielten.

Die Jugendfreizeit dauerte vom 24. Juni bis 8. Juli. Am Tag nach der Rückreise zeigten die Eltern eines Opfers den Fall bei der Polizei in Osnabrück an. Unklar ist nun, ob die Betreuer bereits während des Aufenthalts auf der Insel von den Vorfällen wussten.

170 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren waren mit auf Ameland. Sie wohnten auf drei Häuser verteilt, in jedem gab es 20 Betreuer. Diese würden "im Hinblick auf Gewalt- und Streitschlichtung geschult", sagt Wolfgang Wellmann, Vorsitzender des SSB. Ob bei diesen Fortbildungen auch der Umgang mit sexuellem Missbrauch zur Sprache komme, sei ihm nicht bekannt. Wellmann ist vor allem unklar, warum die Kinder geschwiegen hätten: "Es kann ja nicht sein, dass da alle zugucken und keiner was macht!"

Seit 1968 fährt der SSB Osnabrück jedes Jahr mit Kindern von acht bis 16 Jahren nach Ameland.

Die Betreuer sind 18 bis 25 Jahre alt und Inhaber der Jugendleiter-Card (Juleica).

Die Juleica ist ein bundesweit einheitlicher Ausweis für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit. Sie wird von Verbänden, dem Jugendring, freien Trägern oder dem Jugendamt ausgestellt. Der Inhaber ist mindestens 16 Jahre alt und 40 Stunden lang im Umgang mit Jugendlichen geschult worden.

Der langjährige Projektleiter der Ferienfreizeit, Dieter Neuhaus, ist am 9. Juli von seinem Amt zurückgetreten. Erst kurz zuvor will er durch Eltern mitgereister Kinder über die Vorfälle informiert worden sein. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er am Dienstag dieser Woche, die Freizeit sei "entgleist". Die Kinder hätten sich nur über kleinere Streitigkeiten beschwert, die von den Betreuern geschlichtet worden seien. Am Mittwoch wollte Neuhaus sich dann nicht mehr äußern.

Nun werden die Kinder und Betreuer zur Sache befragt. Ein 16-Jähriger hat laut dem Osnabrücker Polizeisprecher Georg Linke zugegeben, an den Gewalttaten beteiligt gewesen zu sein. Medizinisch untersucht wurden die Opfer bislang nicht. "Wir müssen den Willen der Kinder und Eltern respektieren", sagte Linke. Die Ermittlungen werden noch einige Woche dauern. Bis zum 5. August sind in Nieder-sachsen Ferien, einige mögliche Zeugen sind noch verreist.

SSB-Vorsitzender Wellmann sagte, es sei ihm wichtig, in Zukunft eng mit den Eltern zu kooperieren und die Mitreisenden -Kinder und Betreuer - für die Problematik zu sensibilisieren. "Wir müssen die Kinder zu mehr Zivilcourage anleiten." Die Vorfälle auf der Freizeit bedeuteten aber nicht das Ende des Projekts. "Nur weil wir einmal Pech gehabt haben, heißt das ja nicht, dass das Konzept schlecht ist."

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