Messerangriff in Schweden: Drei Menschen in Lebensgefahr

Nach der Gewalt in Südschweden ist das Motiv des Festgenommenen weiter unklar. Die Polizei geht aber nicht mehr von einer Terrortat aus.

PolizistInnen untersuchen den Tatort des Messerangriffs von Vetlanda

Schweden, Vetlanda am Mittwoch: Polizei und Forensik untersuchen den Tatort des Messerangriffs Foto: News Agency/Mikael Fritzon/reuters

VETLANDA taz | Die Polizei in Schweden geht nicht mehr davon aus, dass der Angriff auf mehrere Menschen in der Stadt Vetlanda eine Terrortat war. Der zuständige Staatsanwalt sagte der schwedischen Nachrichtenagentur TT am Donnerstag, gegen den mutmaßlichen Täter werde nun wegen versuchten Mordes ermittelt. „Derzeit gibt es nichts Konkretes, das in eine andere Richtung weist, aber wir befinden uns noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte Adam Rullman.

Zunächst hatten die Ermittler nach der Gewalttat in der südschwedischen Kleinstadt einen terroristischen Hintergrund untersucht. Bei dem Angriff am Mittwochnachmittag kurz vor 15 Uhr hatte ein 22-Jähriger an mehreren Stellen der Innenstadt mit einem Messer insgesamt sieben Personen angegriffen.

Drei von ihnen wurden lebensgefährlich, zwei schwer verletzt. Die Taten geschahen an fünf verschiedenen Stellen im Umkreis von einigen hundert Metern. Eine nach rund 20 Minuten in der Stadt eintreffende erste Polizeipatrouille konnte den Mann dann in der Nähe einer Schule festnehmen.

„Wir haben noch kein klares Bild“, erklärte die Polizeisprecherin Angelica Israelsson Silfver am Donnerstagvormittag gegenüber der taz. „Es gibt bestimmte Details, aufgrund derer wir ein Terrormotiv untersuchen.“ Ob der Täter die Personen gezielt angegriffen hatte oder diese nur zufällige Opfer waren, könne man noch nicht sagen. In der Nacht sei auch die Wohnung des Täters untersucht und der schwedische Verfassungsschutz SÄPO sei eingeschaltet worden.

Festgenommener der Polizei bekannt

Schwedens Innenminister Michael Damberg kommentierte, es sei selbstverständlich, dass man bei einem derartigen Tathergang auch nach einem Terrormotiv fragen müsse und lobte den Polizeieinsatz. Ministerpräsident Stefan Löfven veröffentlichte eine schriftliche Stellungnahme: „Ich verurteile diese fürchterliche Tat. Solchen abscheulichen Handlungen werden wir mit der ganzen Kraft unserer Gesellschaft begegnen.“

Über den Gewalttäter ist bislang bekannt, dass er 2018 aus Afghanistan nach Schweden gekommen war und seit einem Jahr in Vetlanda lebte. Er sei der Polizei wegen einiger minder schwerer Straftaten aufgefallen und habe eine Verurteilung wegen Cannabisbesitz. Bei seiner Festnahme hatte die Polizei von einer Schusswaffe Gebrauch gemacht und ihn am Bein verletzt. Laut Polizeiinformationen soll er keine lebensgefährlichen Verletzungen haben und werde, wie die Opfer seiner Gewalttat, in einer Klinik in Jönköping behandelt.

Seit dem Anschlag vom 7. April 2017, als der Usbeke Rakhmat Akilov, der sich zur Terrororganisation Islamischer Staat bekannte, in der Innenstadt von Stockholm mit einem Lastwagen durch eine Fußgängerzone raste und dabei gezielt fünf Menschen getötet hatte, war Schweden von als Terroranschlag klassifizierten Gewalttaten verschont geblieben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de