Mehr familienfreundliche Betriebe : Ein Fünftel der Chefs will Kinderlose

Wie familienfreundlich sind deutsche Unternehmen? Familienministerin von der Leyen legt Daten vor. Eine Mehrheit der joblosen Mütter würde gern arbeiten, kann aber nicht.

Flexiblere Arbeitszeiten wären für viele berufstätige Eltern schon hilfreich. Bild: dpa

BERLIN taz Deutschland ist auf dem Weg, ein Land mit mehr familienfreundlichen Unternehmen zu werden. Das ist die Botschaft, die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit dem ersten Arbeitsbericht ihres Programmes "Erfolgsfaktor Familie" mitbrachte. Von der Leyen legte einiges an Zahlen vor, die einen "familienfreundlichen Klimawandel", wie sie es nennt, untermauern sollen. Zum Beispiel eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Demnach hat sich die Zahl der familienfreundlichen Maßnahmen - wie Kinderbetreuung oder flexible Arbeitszeiten - in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

Doch zwischen guten Nachrichten wurde klar: Es gibt noch viel zu tun. Das sagt nicht nur von der Leyen, das erklären in einer aktuellen Allensbach-Umfrage auch 80 Prozent der Bevölkerung und 88 Prozent der jungen Eltern. Zum Beispiel stehen den 32 Prozent der Betriebe, die sich aktiv dafür einsetzen, dass Eltern Kinder und Job besser vereinbaren können, 19 Prozent der Arbeitgeber gegenüber, die Bewerber ohne Kinder bevorzugen.

Auch im europäischen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab. Zwar lag die Bundesrepublik im Jahr 2005 mit knapp 80 Prozent im europäischen Schnitt, was die Erwerbstätigkeit von Frauen anging. Allerdings bezieht sich das nur auf die kinderlosen Frauen. Mütter mit einem Kind waren nur noch zu 65 Prozent berufstätig, bei drei Kindern sank die Zahl auf knapp über 40 Prozent. "Die Mehrheit der nicht berufstätigen Mütter würde gerne arbeiten, aber die Bedingungen stimmen noch nicht", sagt von der Leyen zu den Zahlen. Auch bei den Vätern müsse sich noch einiges verändern. So gäben 70 Prozent der Väter, die kein Elterngeld nutzen, berufliche Gründe an, jeder Dritte nenne direkt seinen Arbeitgeber als Hindernis. "Die Hürden sind in den Köpfen", erklärt von der Leyen das Problem.

Diese Hürden will sie mit dem Programm "Erfolgsfaktor Familie" beseitigen. Im Kern sind das 50 Millionen Euro, die noch bis 2011 Betriebe dazu motivieren sollen, sich in der betrieblichen Kinderbetreuung zu engagieren. Bisher bieten nur 3 Prozent der Unternehmen ihren Beschäftigten eine wie auch immer geartete Kinderbetreuung an. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll die Zahl immerhin auf 10 Prozent steigen.

Ein Ziel, das Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut begrüßt. Denn schließlich sei Familienpolitik eine Möglichkeit, fehlende Fachkräfte mit "vergleichsweise geringen bis zu keinen zusätzlichen Ausbildungs- oder Rekrutierungskosten" zu besetzen - und das würden auch die deutschen Unternehmen erkennen müssen.

Juliane Achatz, Leiterin der Arbeitsgruppe Geschlechterforschung am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, sieht es nicht ganz so optimistisch. Zwar hätten in den letzten Jahren vor allem die größeren Unternehmen erkannt, dass sie ihre Unternehmenspolitik mehr auf Familien zuschneiden müssten. "Aber davon, dass die Unternehmen in Deutschland flächendeckend familienfreundlich sind, sind wir noch weit entfernt."

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