Mediendienste im Netz: Unter Beobachtern

Die Mediendienste im Netz bekommen Gesellschaft: Seit dieser Woche ist meedia.de in einer Testversion online. Aber wer braucht das? Ein Überblick.

„Branchendienstmann“ Turi macht auch gleich Branchenfernsehen, hier talkt er mit Süddeutsche.de-Chef Jakobs über seine Seite. Bild: screenshot turi2

DWDL.DE

Wer steckt dahinter? Thomas Lückerath, der dwdl.de 2001 als studentisches Projekt gründete. Seit 2007 ist Michael Spreng (Ex-BamS-Chefredakteur, heute Medienberater), beteiligt. 60 Prozent gehören der Mistral Media AG, die auch im TV-Geschäft mitmischt.

Eigener Anspruch: „DWDL ist mehr als ein Branchendienst, weswegen wir bewusst den Begriff Medienmagazin verwenden. Eine eigene Story ist uns auch künftig mehr wert als Hunderte Links.“ (Thomas Lückerath)

Der erste Eindruck: bisschen bieder. Und wofür zum Teufel steht „DWDL“?

Was ist drauf? Umfassender Überblick über die Medienszene unter journalistischen Vorzeichen. Leichter TV-Überhang, aber Print hat aufgeholt. Viele eigenrecherchierte Beiträge.

Highlight: Eigene Geschichten und die Schwerpunkte unter „dwdl.de Thema“ (aktuell: ARD/ZDF im Netz).

Tiefpunkt: Die etwas absurde „Quotenvorhersage“, analog zum Wetterbericht.

Wer braucht das? Guter Überblick für seriöse Medieninteressierte, weil nicht jeder Schrott aufgeregt weitergemeldet wird. Übersichtliche Navigation.

Des Rätsels (Nicht-)Lösung: „DWDL“ steht für einen Namen, über den man eisern schweigt.

MEEDIA.DE

Wer steckt dahinter? Dirk Manthey, Gründer und ehemaliger Besitzer der Verlagsgruppe Milchstraße (TV Spielfilm, Tomorrow, Fit for Fun), der schon in den 90ern über ein Medienmagazin nachdachte.

Eigener Anspruch: „Wenn Sie Meedia ansteuern, können Sie sicher sein, keinen wichtigen Artikel über die Medienbranche mehr zu verpassen.“

Der erste Eindruck: Ganz schön voll hier. Meedia.de begrüßt mit einer lustigen Diashow über Mediengrößen von Hubert Burda (Focus und so) bis Marc Zuckerberg (Facebook).

Was ist drauf? News in den 5 Kategorien Internet, Fernsehen, Print, Musik & Radio - die Reihenfolge sagt auch was über die Priorität der Themen aus. Die „Background“-Sparte verspricht einen Überblick über die besten 300 Mediensites im Netz - je 100 aus Deutschland, den USA und dem Rest der Welt (im Aufbau).

Highlight: Das Medien-Video-Archiv, mit Angeboten von ABC (USA) bis „Zapp“ (NDR).

Tiefpunkt: die Medienblog-List: Der Link führt hier bislang nur zum Blog von Jens „Mr Analyzer“ Schröder.

Wer braucht das? Zahlenfetischisten jauchzen ob der Rankings (Quoten, Klicks etc.) Eigene Inhalte sucht man (noch?) vergebens. Akademisches fehlt. Damit ist Meedia.de echt Manthey.

TURI2.DE

Wer steckt dahinter? Ex-Kress Report-Chefredakteur Peter Turi, der turi2.de (für „Turi 2.0“) ausgerechnet am 1. April 2006 startete.

Eigener Anspruch: „Branchendienst für die digitale Welt“; zweimal am Tag gibt es ein Update per Mail.

Der erste Eindruck: Video ist Trumpf - unter dem Ableger turi2.tv macht „Branchendienstmann“ Turi auch gleich Branchenfernsehen, das aber noch zu sehr aus talking heads besteht. Großes Angebot, durch die viele Werbung etwas unübersichtlich.

Was ist drauf? Guter Überblick über die aktuellen Medienmeldungen aus allen relevanten Quellen von Print bis TV, die zum Teil weitergedreht und kommentiert werden.

Highlight: Einige Geschichten und Hintergründe, bei denen Turi aus seinem Fundus als langjähriger Brancheninsider schöpft. Setzt mit Video-Interviews eigene Akzente.

Tiefpunkt: Die unschön im normalen Angebot abgestellten (aber ordentlich als solche gekennzeichneten) „Textanzeigen“ mit Hurra-Pressemeldungen anderer Medienunternehmen.

Wer braucht das? Branchenjunkies und normalsterbliche Medieninteressierte. Für Letztere bietet turi2.de mehr als die Rubrik „Altpapier“ der Netzeitung oder der Perlentaucher.

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