Gastkommentar: Medien – Macht
■ Über den Griff der Parteien nach den Medien
Im Rundfunk und Fernsehen bedienen sich die politischen Parteien – besonders die beiden großen – einer Doppelstrategie: von oben über die Kontroll- und Aufsichtsgremien und von unten über die Besetzung der Redaktionen mit Parteifreunden. Die SPD hat der zielstrebigen Machtpolitik der Union wenig entgegengesetzt. Sie war deutlich zögerlicher, merklich gehemmter durch ihr Demokratieverständnis und ihre eigene Tradition.
Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, daß Sender durch Wohlverhalten glänzen wollen, wenn es um mehr Geld geht, und man begreift plötzlich, welche Standfestigkeit dazugehört, die Instanzen kontrollieren zu wollen, von denen die Sender nun mal finanziell abhängig sind. Politische Redakteure sollen sich 'zurückhalten', wenn die fälligen Verhandlungen über die nächsten Gebührenerhöhungen beginnen. 1988 ist so ein Jahr. Klagt ein Redakteur: „Jedesmal, wenn wir ein Thema bearbeiten wollen, das politischen Ärger erwarten läßt, heißt es automatisch in den Chefetagen: 'Muß das denn sein?'“
Auszüge aus: „Eine Zensur findet nicht statt“ – Vom Anspruch und Elend des Fernseh-Journalismus, Hamburg 1988
Gisela Marx
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