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Magdeburg: Polizei schützt ihre Videokameras

■ Neue Pannen beim Einsatz gegen Hooligans

Magdeburg (taz) – Der Magdeburger Polizei ist eine neue Panne im Einsatz gegen die Ausländerjäger vom Himmelfahrtstag vorzuwerfen. Erst eine Stunde und zwanzig Minuten nach dem Beginn der Ausländerhatz am Himmelfahrtstag kam den Einsatzleitern die Idee, daß man die Gewalttäter filmen könnte. Nach Recherchen der taz wurde aber auch dann kein Dokumentationstrupp in die Magdeburger Innenstadt geschickt. Walter Remmers, Innen- und Justizminister des Landes Sachsen-Anhalt, rechtfertigte die Fehlentscheidung der Polizei mit Angst vor weiterer Eskalation – und Angst um die Videokameras. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen würden diese erfahrungsgemäß „selbst zu Gegenständen von gewaltsamen Angriffen“, so Remmers.

Friedlich demonstrierende Bürger haben dagegen in Sachsen-Anhalt gegenteilige Erfahrungen gemacht. So wurden Proteste gegen den Schwerlastverkehr im Dorf Belleben lückenlos von der Polizei dokumentiert, und zwar ausdrücklich nicht mit der Begründung, daß die Demonstration gewalttätig verlaufen würde.

Am Himmelfahrtstag hatten in der Magdeburger Innenstadt rechtsextreme Skinheads und angetrunkene Jugendliche eine regelrechte Jagd auf Schwarze veranstaltet. Während die Passanten zuschauten, kamen den Angegriffenen nur die Besitzer türkischer Gastronomiebetriebe zu Hilfe. Nach Augenzeugenberichten ging die Polizei zunächst gegen die türkischen Kellner vor. Die 49 vorläufig festgenommenen deutschen Randalierer wurden noch in derselben Nacht wieder auf freien Fuß gesetzt, ohne daß zuvor die Staatsanwaltschaft informiert wurde. Die Polizei rechtfertigte die Freilassungen damit, daß wegen fehlender Dokumentation ein dringender Tatverdacht nicht gegeben sei und eine Kombination aus Alkoholgenuß und Sonnenschein die Täter zu spontanen Gewaltakten hingerissen habe. Bis zum Dienstag soll gegen fünf der Randalierer Anklage wegen schweren Landfriedensbruchs erhoben werden. Tagesthema Seite 3

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