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Lupe für Nazi-Zeit

■ Quellenkompendium für die Region Weser-Ems

Insgesamt elf Jahre dauerten die Vorbereitungen für das Buch. Herausgeber Günter Heuzeroth, ausgebildeter Heilpädagoge und Amateurhistoriker, spürte in den Archiven zwischen Emden, Wilhelmshaven, Oldenburg und Bremen historische Fährten auf. „Widerstand und Verfolgung der regionalen Arbeiterbewegung“ galt es an Einzelbeispielen zu rekonstruieren. Stieß er in offiziellen NS-oder geheimen Gestapo-Akten auf den Namen eines Widerstandskämpfers, zog er über Land und suchte nach Angehörigen. Bei den Nachfahren der ermordeten WiderstandskämpferInnen und bei Überlebenden fanden Heuzeroth und sein Mitarbeiter Johannes Petrich Hilfsbereitschaft und Unterstützung. Auf über 1.000 Seiten breitet sich dem Leser ein „synoptisches Panorama“ (Heuzeroth) aus, ein Nachschlagewerk mit dem Anspruch, Anregungen zur weiteren Erforschung der Region weiterzugeben.

Heuzeroth kennt die Grenzen seines Projekts: Er habe keinerlei neue Forschungsergebnisse erzielen wollen, der Flut von „Schreibtischpublikationen“ keine weitere hinzugefügt. Die Ziele sind expressis verbis pädagogischer Art: Die Dokumentation sei „mit ihrer Fülle anschaulichen und eindringlichen Materials das beste Mittel, beabsichtigten oder gedankenlosen Verharmlosungen entgegenzuwirken“, so der Oldenburger Professor Werner Boldt im Vorwort des Bandes. Heuzeroth wendet sich mit seinem Buch hauptsächlich an LehrerInnen und HeimatforscherInnen, denen er Material an die Hand liefern will.

In 600er Auflage ist das Opus gedruckt worden. Bei der Fülle des Materials ist es fast nicht verwunderlich, daß der Leser leicht den Überblick verliert: Einer stringenten Struktur hätte es bedurftim Irrgarten der Quellen. Auf den Seiten 151 bis 159 ist beispielsweise die Ermordung des Oldenburger Landtagsabgeordneten Johann Gerdes dokumentiert. Gerdes wurde am 5. März von SA-Männern in seinem Haus erschossen. Heuzeroth spürt akribisch den Details nach, dokumentiert die Beerdigung Gerdes‘, die gleichzeitig die letzte antifaschistische Demonstration in Oldenburg war, schlägt den Bogen bis 1945, dem Jahr, in dem die Mörder mit milden Strafen davonkommen. Daß sich die Oldenburger im Rat noch 1987 über eine Johann-Gerdes Straße streiten, schildern erst die Seiten 294-302. ma

Günter Heuzeroth (Hg): Unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus1933-1945, Bd.1, Oldenburg 1989, 49 Mark

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