: Lokalkoloratur: Unbekannter Revoluzzer / Klaus Eichner
LOKALKOLORATUR
Es gilt Abschied zu nehmen. Aus. Vorbei. Endgültig. Es gibt ihn nicht mehr, den Unbekannten Revoluzzer. Eine ausgestorbene Spezies, zumindest in den Hamburger Bürgerinitiativen. So sieht
es jedenfalls der Hamburger Soziologe Klaus Eichner im neuesten Uni-Forschungsbericht. Und Eichner muß es wissen. 160 Bürgerinitiativen hat er untersucht und gefunden: Nur noch fünf Prozent der Aktivisten sieht Boykott und Blockade als passendes Mittel zum guten Zweck. Revolte ist out, selbst Demos findet nur noch jeder Siebte prima. Info-Abende sind in. Schön in Ruhe bekakeln, was so ambach ist, auch wenn's für die Hälfte der Passivisten nur noch mittelmäßig oder gar nicht zur Veränderung der Gesellschaft beiträgt. Frust. Und wie jeder gute Wissenschaftler liefert auch Eichner eine Begründung für's mühsam Erforschte. Nein, der Revoluzzer ist nicht untergegangen im Konkurrenzkampf der Evolution wie einst die Saurier mit den großen Körpern und den kleinen Hirnen. Das Alter ist es. Kaum noch Leute unter 25 finden sich im warmen BI-Nest, jede zweite Initiative muß gar gänzlich ohne Nachwuchs auskommen. Der Unbekannte Revoluzzer, er ist einfach zu alt geworden. uex
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