Lohnforderungen: Die magische Acht

Nicht nur die Industrie, auch Handel und öffentlicher Dienst stritten in diesem Jahr für deutlich mehr Geld. Die Lokführer erhielten sogar elf Prozent mehr.

Der IG Metall-Vorsitzende Bertold Huber vor einem Plakat seiner Gewerkschaft. Bild: dpa

BERLIN taz 8 Prozent - das ist die Symbolzahl dieser Tarifrunde. Schon Anfang des Jahres forderte die IG Metall so viel mehr Lohn für die Beschäftigten der boomenden Stahlindustrie. Einigen konnte sie sich mit den Arbeitgebern immerhin auf 5,2 Prozent.

Vergleichsweise hohe Abschlüsse erzielten die übrigen Gewerkschaften im Industriesektor: In der Chemiebranche etwa erstritt die IG BCE 4,4 Prozent mehr ab diesem Jahr für 13 Monate und nochmals 3,3 für das darauffolgende Jahr. Der Tarifvertrag läuft bis 2010 - und enthält bemerkenswerte Extras: So sicherten die Arbeitgeber 16.800 Ausbildungsplätze für 2009 und 2010 zu. Der Abschnitt "Lebensarbeitszeit und Demografie" sieht Gesundheitsförderung, Altersteilzeit und Langzeitkonten vor, auf denen Beschäftige Überstunden ansparen können.

Nach Ansicht von Hagen Lesch, Tarifexperte beim arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, zeichnet sich die diesjährige Runde dadurch aus, dass auch im öffentlichen Sektor und bei den Dienstleistungen hohe Abschlüsse erzielt worden sind - nachdem bislang vor allem die Arbeitnehmervertreter in den exportorientierten und gut aufgestellten Industriebranchen mit hohen Lohnforderungen vorpreschten. Nach einem langen Konflikt einigten sich die Parteien im Einzelhandel auf 3,0 Prozent mehr Gehalt. Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst bekommen nach einigen Nullrunden 3,1 Prozent ab diesem und nochmals 2,8 Prozent mehr Gehalt ab nächstem Jahr. Allerdings gibt es einige Wermutstropfen für die Staatsdiener: Sie müssen künftig länger arbeiten für ihr Geld. Diese Auseinandersetzung war besonders hart für viele Bürger: Wegen Warnstreiks fuhren zeitweise Busse nicht und Kitas blieben geschlossen. Verlangt hatte Ver.di 8 Prozent. "Mit den hohen Forderungen hat Ver.di vor allem auf die Konkurrenz durch die Berufsgruppengewerkschaften reagiert", meint Tarifexperte Lesch. Den höchsten Abschluss dieser Runde erzielte genau solch eine Splittergewerkschaft: Die GDL erstritt für die Lokomotivführer ein Lohnplus von 11 Prozent.

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