Linkspartei in Niedersachsen: Nicht mehr unter Generalverdacht
Der niedersächsische Verfassungsschutz stellt die Beobachtung der Partei ein. Die Freude darüber ist gedämpft, denn Untergruppen bleiben weiterhin im Visier.
Bild: dpa
HANNOVER dpa | Der Verfassungsschutz in Niedersachsen stellt seine Beobachtung der Partei die Linke ein. Künftig werden nur noch kleine Untergruppierungen beobachtet, kündigte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Mittwoch an.
Man könne nicht die Gesamtpartei über Jahre unter einen Generalverdacht stellen und prophylaktisch beobachten, sagte der neue Minister bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes. Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hatte durch den Verfassungsschutz neben einzelnen Protagonisten auch die Partei als ganzes im Blick behalten lassen.
Linken-Landeschef Manfred Sohn reagierte wenig begeistert. „Das ist halbherzig und unzureichend, denn die Schnüffelei hört ja leider nicht auf“, sagte er der dpa in Hannover.
Anlass für seinen Ärger sind die weiter laufenden Beobachtungen einzelner Parteimitglieder und Untergruppen. „Das ist völlig unsinnig.“ SPD und Grüne würden damit hinter ihren eigenen Ankündigungen aus der Vergangenheit zurückbleiben. Im Landtag hatten Vertreter beider Fraktionen in der vergangenen Legislatur noch ein Ende aller Beobachtungen verlangt.
Die Linkspartei ist selber nicht im niedersächsischen Landtag vertreten. Sie war bei der Wahl im Januar 2013 deutlich an der 5-Prozent-Hürde gescheitert.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert