: Lieber Knast als weiter Ehe
Karlsruhe (dpa) - Zu einem Überfall auf eine Sparkassenfiliale entschloß sich ein Mann, nachdem ihm seine Frau wiederholt „die angeborenen Fehlbildung seines Genitals“ - so die Richter beim Karlsruher Bundesgerichtshof - vorgehalten und ihm gesagt hatte, daß er „kein Mann“ sei. Um seine Männlichkeit zu beweisen - und um von seiner Angetrauten wegzukommen - entschloß er sich zum Überfall. In der Hoffnung, daß damit „einige Probleme gelöst wären“.
Mit einem Messer und einer Plastiktüte bewaffnet zog er zur Filiale. Etwa 600 Meter davor sah er Polizeibeamte bei einer Unfallaufnahme und beschloß, sich sofort nach dem Überfall bei ihnen zu stellen. Unmaskiert betrat er das Gebäude, nahm eine Kundin als Geisel und erhielt am Kassenschalter über 20.000 Mark. Als er sich dann den Gesetzeshütern stellen wollte, waren diese aber schon gegangen. Nur mit großer Mühe konnte er Passanten überreden, die Polizei zu holen. Die stellten bei ihm dann außer einer Alkoholisierung auch eine „starke neurotische Störung“ fest.
Weil er bei dem Überfall keinen Vermögensvorteil angestrebt habe, hob der Karlsruher Bundesgerichtshof jetzt ein Urteil des Traunsteiner Landgerichtes auf, das den Mann zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen räuberischer Erpressung verurteilt hatte. In der Begründung heißt es, der Mann habe von Anfang an das Geld nicht behalten wollen. Ihm könne keine rechtswidrige Bereicherung unterstellt werden.
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen