Lars Penning Filme aus dem Archiv –frisch gesichtet:
Den eigenen Herzinfarkt als Musical inszenieren? In seinem brillanten Film „All That Jazz“ (1979) verarbeitete Bob Fosse Autobiografisches: Ein Choreograf und Regisseur (Roy Scheider) hält sich bei der Arbeit nur mit Amphetaminen und Kettenrauchen auf den Beinen, die Beziehungen zu Familie, Freunden und seiner Geliebten liegen längst in Trümmern. In seinen Halluzinationen wird schließlich selbst die Herzoperation zur Bühnennummer (OF, 10. 6., 15.15 Uhr, Babylon Mitte).
Mit 82 Jahren kann man ja so langsam mal ans Aufhören denken. Hinter Robert Redford liegt eine fast sechzig Jahre währende Karriere als Schauspieler, und mittlerweile sieht man ihm das Alter auch an: Das Gesicht wirkt faltig und zerknautscht, sein Gang hat einiges an Elastizität verloren. Die Krimikomödie „Ein Gauner & Gentleman“ könnte also der letzte Auftritt des Schauspielers vor der Kamera sein. Die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte eines überaus höflichen Gefängnisausbrechers und Bankräubers setzt ganz auf Redfords Charme und einen nostalgischen 70er-Jahre-Retro-Vibe: Die Überfälle des Gangsters, den alle Welt so sympathisch findet, zeigen einen guten Handwerker bei der Arbeit, und sein Fernduell mit einem hartnäckigen Polizisten (Casey Affleck) besitzt einigen Witz. Ums Geld geht es bei den Räubereien nicht wirklich: Der Film ist eine Hymne an ein unkonventionelles Leben (OmU, 7. 6., 9. 6., 11. 6., 18.15 Uhr, Tilsiter Lichtspiele).
Meist haben Jugendkulturen ja mit Protest zu tun, mit der Ablehnung der Werte der Elterngeneration. Was aber, wenn die Eltern selbst zu einer Protestgeneration gehören? Mitte der 80er Jahre gab es plötzlich den Yuppie, den „young urban professional“, dem drei Dinge wichtig waren: Karriere, Konsum und möglichst viel Geld. Für die Komödie war der Yuppie natürlich ein Glücksfall: Das angepasste Leben von Leuten, deren Bestimmung sich einzig im Studium von Aktienkursen zu erfüllen schien, ließ sich in der Konfrontation mit dem vermeintlich Exotischen geradezu genüsslich demontieren.
Einer der amüsantesten Filme jener Tage ist Martin Scorseses „After Hours“ (1985), in dem es den einsamen und ausgesprochen harmlosen Programmierer Paul (Griffin Dunne) für eine Nacht voller Albträume in die Subkulturszene von New York verschlägt. Neurotische Frauen, merkwürdige Bildhauer*innen, Einbrecher und eine zu allem entschlossene Bürgerwehr sind ihm alsbald auf den Fersen. Am Ende möchte Paul nur noch von seinem einzigen Freund angesprochen werden: dem Computer (6. 6., 22.15 Uhr, Babylon Kino Mitte).
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