Länderüberblick Soldaten nach Afghanistan: Die Aufstocker

Deutschland und Frankreich halten sich noch zurück – andere europäische Länder haben den USA schon frische Soldaten versprochen. Die USA erwarten von Europa bis zu 7000 Soldaten.

Bundeswehrgelöbnis. Konkrete Zahlen aus Deutschland fielen bisher nicht. Bild: ap

BERLIN afp/dpa/ap | Die USA wollen ihre Truppenstärke in Afghanistan bis zum kommenden Sommer um 30.000 auf dann 100.000 erhöhen und fordern von den europäischen Alliierten bis zu 7.000 zusätzliche Soldaten. Mit den zusätzlichen Truppen will US-Präsident Barack Obama die Initiative im Kampf gegen die Taliban zurückgewinnen, um im Sommer 2011 mit dem Abzug der eigenen Soldaten zu beginnen.

Während die Regierungen in Ländern wie Frankreich, Russland und Deutschland die neue Strategie Obamas begrüßten, aber noch keine konkreten Zusagen machten, kündigten andere europäische Regierungen die Aufstockung ihrer Truppen in Afghanistan an. Ein Überblick:

Italien: Italien wird sich nach Regierungsangaben mit rund 1.000 Soldaten an der von US-Präsident Barack Obama geplanten massiven Truppenaufstockung in Afghanistan beteiligen. Verteidigungsminister Ignacio La Russa sagte in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Zeitung Corriere della Sera, der genaue Beitrag seines Landes solle in den kommenden Tagen bei einem Treffen der Außenminister Italiens und der USA vereinbart werden. Derzeit hat Italien knapp 2.800 Soldaten in Afghanistan stationiert. Zu Medienberichten, dass Italien weitere 1.500 Soldaten entsenden werde, sagte La Russa: "Das ist nur eine Hypothese, ein Maximalkontingent, das wir niemals erreichen würden. Wir sind unterhalb dieser Zahl." Tatsächlich werde sie wohl bei etwa 1.000 liegen. Ein Mitarbeiter des Ministers sagte, im Gespräch sei eine Aufstockung um 800 bis 1.000 Mann im Laufe des nächsten Jahres. Dazu würden Soldaten von Friedenseinsätzen auf dem Balkan und im Libanon abgezogen.

Polen: Polen will 2010 sein Afghanistan-Kontingent um 800 Soldaten aufstocken. Wie Verteidigungsminister Bogdan Klich in Warschau sagte, sollten 600 Soldaten direkt nach Afghanistan geschickt werden. Gleichzeitig soll die in Polen stationierte "strategische Reserve" für den Afghanistan-Einsatz um 200 Mann gestärkt werden. Der Plan sieht laut Klich vor, dass die polnischen Einheiten in Afghanistan beim siebten Truppenwechsel (Ende April 2010) eine Stärke von 2.600 Soldaten und die Reserve im Land von 400 Mann erreichen. Die letzte Entscheidung über die Verstärkung liege bei Staatspräsident Lech Kaczynski, bemerkte Klich. Die Nato sei der "wichtigste Garant für die Sicherheit" Polens, betonte Klich. Die positive Antwort auf den Ruf nach mehr Truppen sei eine gute Investition in die Sicherheit.

Mazedonien: Mazedonien will sein Truppenkontingent in Afghanistan um 80 weitere auf insgesamt 250 Soldaten aufstocken. Sie sollen im Februar am Hindukusch stationiert werden, wie Staatschef Gjorgje Ivanov nach Angaben seines Büros in einem Schreiben an US-Präsident Barack Obama erklärte. Mazedonien beteiligt sich seit 2002 am Isaf-Einsatz in Afghanistan.

Georgien: Georgien, das laut Isaf bislang mit einem Soldaten in Afghanistan präsent ist, will 700 bis 1.000 Mann schicken.

Großbritannien: Der treueste Verbündete der USA hat schon vor Obamas Rede eine Truppenaufstockung in Höhe von 500 Soldaten zugesichert. Die britische Armee stellt mit 9.000 Soldaten das zweitgrößte Kontingent in Afghanistan nach den USA (bisher 34.800 Soldaten) und vor Deutschland (bisher 4.500 Soldaten). Zuvor hatten auch schon Spanien (200) und Tschechien eine Aufstockung um 200 sowie 100 Soldaten angekündigt.

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