berliner szenen: Kundenservice
Die Tränen der Telekom
Die Telekom – immer wieder. Mein Freund T. zum Beispiel zog um, nur um die Ecke, aber doch so weit, dass er seinen alten Anschluss nicht mehr nutzen konnte. Die Nummer wollte er mitnehmen, der Anschluss musste neu gelegt werden, die Wohnung war frisch saniert. Kein Problem, ein Antrag im T-Punkt, eine Sache von wenigen Tagen. Die Tage, die Wochen vergehen.
T. ist geduldig, er hat andere Zeiten erlebt, und seit Wende und Studienabschluss weiß er, dass fast alle Dinge wenn auch selten ein Gutes, so doch ein Ende finden. Allerdings wollte er weder 40 Jahre noch 20 Semester warten: die Rechnung war pünktlich von seinem Konto abgebucht worden. T. ruft die Servicenummern an: Customer care, doch die sind nur für die Routine, nicht für die Abweichungen da. Er schreibt einmal, zweimal, dreimal, mit Einschreiben und Rückschein, der kommt unterschrieben zurück, sonst keine weitere Reaktion. Das Geld wird eingezogen, T. zieht es zurück. Schließlich im Januar ein Schreiben: Hiermit bestätigen wir den Eingang Ihres Auftrags von Ende Oktober, Ausführung Anfang November. Eine Woche später ein weiterer Brief: Bestätigung der Löschung Ihrer Daten.
T. beginnt sich um seine Existenz zu sorgen, er setzt sich in die U-Bahn und fährt zur Rechnungsstelle nach Tegel: Die zuständige Sachbearbeiterin wird blass, das sei gar nicht möglich, natürlich, Geld zurück. T-Online-Gebühren? Aber das sei doch eine ganz andere Firma. Sie bricht in Tränen aus. T. weiß, wann ein Happyend Not tut, er legt tröstend den Arm um sie, rettet mit rechts noch schnell die Daten seines Telefonbucheintrags und lädt die Frau zum Essen ein. Laut seiner letzten Postkarte sind sie immer noch glücklich zusammen. CARSTEN WÜRMANN
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen