■ KulturenDialog: Einverleibung oder Ausschluß
Das Verhältnis zum Anderen wird wesentlich von den eigenen Vorstellungen über die kosmische Ordnung und die Stellung der Menschen darin geprägt, so die These der Istanbuler Literaturwissenschaftlerin Zeynep Sayin. In diesem Sinne vergleicht sie das christliche und islamische Selbstverständnis bezüglich des Fremden. Am Beispiel der chritlichen Eroberung der Neuen Welt durch Christóbal Kolumbus verdeutlicht sie das christliche Weltbild: Angesichts der Universalität Jesu Christi wird die kulturelle Differenz der Anderen als unerheblich deklariert. Die andere Kultur wird einverleibt.
Demgegenüber geht das Weltbild der islamischen Orthodoxie von einer gottgewollten Ungleichheit der Menschen aus. Es läßt die Differenz bestehen. Statt einverleibt wird das Andere ausgeschlossen. Der Beitrag von Zeynep Sayin ist der sechste Teil unsere Serie KulturenDialog. Mit dieser wollen wir für kulturelle Beziehungsarbeit statt dem vielbeschworenen Kampf der Kulturen werben. Thomas Hartmann/Edith Kresta
Bisher sind fünf Beiträge dieser Intertaz-Serie erschienen:
Gernot Rotter über die Orientalistik (4. Februar), Werner Schiffauer über Kulturdynamik und Selbstinzenierung (4. März), Veit Erlmann über Musik und kulturelle Identität (4. März), Jean-François Bayart über Globalisierung und Vereinheitlichung der Welt und Birgit Rommelspacher über die psychologischen Bedingungen des Kulturaustauschs (19. August).
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